Mittwoch, 24. Juni 2015

Und doch nochmal kurz...

Hallo ihr Lieben,

jetzt bin ich es diesmal wirklich, haha :)

Gerade eben habe ich (fast) meinen Koffer fertig gepackt. Es hat mich einige Stunden gedauert. Und zwar nicht, weil ich unglaublich viel Zeug habe (das vielleicht auch). Aber eher, weil ich Zeit an Überwindung gebraucht habe, alles zusammenzusuchen.
Es tut mir Leid, das hier so zu schreiben, aber es ist die Wahrheit: Es gibt niemanden, außer einen Austauschschüler, außer meine Freunde hier oder meiner Gastfamilie, die verstehen würden, wie ich mich gerade fühle.
Als ich hier her gekommen bin, da war mir: Oh, mein ganzes Leben passt in einen Koffer. Doch nun, wenn ich nochmal packe, da denke ich nochmal darüber nach, nur mit dem Unterschied, dass mein Leben in Taiwan wesentlich kürzer, aber dafür vielmehr voll an Erfahrungen und Selbstfindung war.
Und ich nehme jedes einzelne Ding in die Hand. Und alles erinnert mich an dieses wunderbar vergangene Jahr.

Die letzten zwei Wochen habe ich regelmäßig einen Bus zum Flughafen genommen, da immer wieder jemand zurück in sein Land fliegt.
Meine Gedanken sind ganz hin und her und ich weiß nicht, was ich denken soll, sodass mir manchmal der Bauch und der Kopf ganz wehtun.
Facebook füllt sich mit "Flughafen - Abschieds - Fotos", der letzte Tag in der Schule, ein letzter Gang über den Schulhof, eine weitere Abschiedskarte, ein weiteres Mal zum Flughafen, der Koffer, der noch immer nicht gepackt ist, ein letztes Mal den Bus 939 nehmen, eine letzte Umarmung.
Dann aber freue ich mich auf wieder auf Deutschland, ganz besonders auch das Essen.
Und dann schreit wer in meinem Kopf: Halt, STOPP! Du bist doch noch hier! 3 Tage sind 3 Tage. Das sind immerhin 72 Stunden.
Und in diesen Gedanken blieb ich den ganzen letzten Monat.
Ich habe nicht geweint, selbst wenn ich es versucht habe. Ich kann es nicht. Denn ich bin noch hier.
Wenn ich mein Gefühl beschreiben sollte, dann ist es nur ein "komsiches Gefühl."
Ich bin traurig, aber kann nicht weinen. Und ich bin glücklich, da ich noch hier bin.

Die ganzen letzten Wochen waren trotzdem unglaublich ereignisreich.

 Meine Gastschwester hatte ihren Schulabschluss.
 Ebenso wie ich. (Greta war nur zu Besuch da ;) )

 Meine liebe Freundin aus Khaosiung und ihre Freundin aus Frankreich sind nochmal für das letzte Mal nach Taipei gekommen.



  Ausflug mit einer Grundschule nach Bali.
Wir haben ihnen das Pfeiffen mit Grashalmen beigebracht.
Die letzte chinese class.
 Der Redewettbewerb und die letzte Orientation meines Rotarydistrikts 3480.
(Die Übersetzung meiner Rede findet ihr unten)





Das letzte Rotarymeeting
Der Geburtstag meiner kleinen Gastschwester.
In dem ersten Monat, in welchem ich in Taiwan war, habe ich herausgefunden, dass sie Geige spielt. Daraufhin habe ich Mama gebeten, mir doch bitte eine CD und DVD von David Garret zu schicken. Diese lag nun 8 Monate in meiner Tasche.
Und es hat sich gelohnt, denn meine Schwester hatte sich echt gefreut.
Seitdem ist hier im Haus nur noch von "David" die Rede, haha :)
Abschied von Gigi, der Amerikanerin, mit der ich Familien getauscht habe.
 ABschlussfeier in der Schule.
Armdrücken ;) Dann haben sie ein Lied für mich gesungen, mir ein Video gezeigt, dass sie über mich gemacht haben, sie haben sogar vegane (!) Pizza bestellt, Sesambeutel und zwei supertolle Geschenke (siehe unten)

 Eine Riesen - Aufklapp - Karte mit jeweils Bildern und kleinen Briefen meiner Klassenkameraden.
Ein Dampfer. Ich konnte es nicht fassen, dass sie mir das geschenkt haben, dass ich sogar etwas aufschreien musste, als sie mir die Augenbinde abgenommen haben!
Ich habe mal vor ca. 6 Monaten erwähnt, dass ich eventuell sowas kaufen würde.
Und dann haben sie es mir 6 Monate später geschenkt! Das ist so unglaublich, sie konnten sich daran erinnern :)
Abschied meiner ungarischen Freundin



FiFa - Fußball - Spiel Taiwan gegen Thailand.


Für welche Mannschaft soll man da sein?
Wenn eine der besten Freundinen aus Thailand kommt, doch die zweite Heimat Taiwan heißt?
 Deshalb verbrachten wir die erste Halbzeit im Taiwan - Fanblock
 Und die zweite Halbzeit sind einige von uns in den Thailand - Fanblock gegangen (wo die Motivation und das Anfeuern für's eigene Team deutlich spürbarer war, als im Taiwan - Block).
Wir haben allerdings unsere Mini - Thailandflaggen rausgeholt und uns Thailand - Stirnbänder aufgesetzt, damit wir nicht im Taiwan - Trikot in der Gegner - Seite sitzen...


 Desweiteren bin ich mit meiner allerallerbesten dänischen Anna (!) im Yangmingshan wandern gewesen. Super schön, sage ich euch!




 Abschlussessen mit meiner großen Gastfamilie.
(mit meiner "kleinen" Gastfamilie, wo dann nur meine Gastmama und - schwestern dabei sein werden ist dann am Samstag."
Abschlussessen mit meiner taiwanischen Freundin.
 
Mit all meinen besten Freunden in Taiwan habe ich mir gewünscht nochmal zu dem Ort zurückzugehen, wo ich an meinem zweiten Tag in Tawian war.
Zur Sanxia Old Street.
 Leider hatte es geregnet.
Was uns unsere Stimmug aber natürlich nicht genommen hat.
(Sanxia ist übrigens da, wo ich wohne - außerhalb von Taipei)







 Mein 2. Tag in Taiwan.


Mein 303. Tag in Taiwan.
Und zum Schluss sind wir zu mir nach Hause und haben alle zusammen zu Abend gegessen und einfach Spaß gehabt und die Zeit genossen.
Anna hat dann noch bei mir übernachtet, weshalb ich diesen Blog sozusagen heute schreibe. Und weshalb ihr gestern einen Gastpost von Anna lesen durftet, haha :)

Und jetzt ist es mitlerweile doch schon Donnerstag, 01:43.

Und ja, es fällt mir schwer. Und ja, ich bin traurig.
Für euch mögen diese Texte einfach nur Texte sein. Und diese Bilder einfach nur Bilder sein. Und die Menschen in ihnen einfach nur Menschen.
Aber die Texte sind nicht nur Texte. Sie sind meine Gedanken. Meine Entwicklung, meine Erinnerung, mein Inneres, mein Ich. Und die Bilder sind nicht nur Bilder, die eines Tages zu Fotografien verstauben werden. Es sind Erinnerungen und Momente. An Gefühle, an Orte, an Menschen. An Menschen, die nicht nur Menschen sind. Sondern Menschen, die mir eine Hand reichten, die mir nahe kamen, die zu meiner Familie wurden.

Eure Anna

P.S.
Hier ist die Übersetzung meiner Rede:

Hallo alle zusammen,
heute ist ein ganz besonderer Tag für uns. Einige sind schon zurück in ihr Land geflogen. Einige gehen morgen, nächste Woche oder nächsten Monat.
Heute ist unsere letzte Chance, dass wir alle zusammen sind, wertvolle Zeit mit unseren Freunden und um zu sagen, was wir gerne sagen wollen.
Also, was möchte ich erzählen?
Während meines Austausches habe ich sehr viel erfahren. Ich habe vorallem über mich selbst gerlernt und auch, was es bedeutet "deutsch" zu sein.
So hatte ich die Idee euch eine Geschichte über Deutsche zu erzählen. Ganz besonders über mich . . . und Kokosnüsse.
Viele Menschen mögen sagen, dass Deutsche sehr ernste Leute sind.
Und das ist auch inetwa richtig.
Wenn ein Deutscher das 1. Mal jemanden trifft, dann mag er es oft über ernste Themen zu reden, wie z.B. Umwelt oder Politik. Oder sei es ein ganz absurdes Thema, aber ernst gesehen.
Aber dies ist nur in der ersten Zeit so.
Vielleicht braucht es ein bisschen Zeit, um mit einem Deutschen nah zu kommen. Aber sobald man ihn besser kennt, dann wird man sehen, dass Deutsche auch eine sehr verrückte Seite haben und auch gerne mal was nicht so ernst nehmen, es an die Seite stecken, verschieben, vergessen und drüber lachen, zu spät kommen und ganz und gar all ihre Wäsche liegen lassen und die kleinen Problemchen einfach ganz in den Müll verschieben.
So mag ich es zu sagen, dass wir Deutschen, ganz besonders ich, wie Kokosnüsse sind.
Von außen ist es sehr hart sie zu öffnen und es dauert eine ganz schöne Weile bis man es irgendwann geschafft hat.
Doch hat man sie erstmal geöffnet, dann erwartet einen drinnen süße Kokosmilch und zartes Kokosfleisch.
Dass man das Kokosfleisch trocknen und laaaaange aufbewahren kann heißt eindeutig, dass ein Deutscher Freund ein ewiger Freund ist (hat man die Schale denn wirklich geöffnet gehabt!)
 Ich denke, dass ich zu Dingen und Umgebungen und Personen, die mir nicht bekannt sind, ich immernoch eine Kokosnuss bin und mich viel zurückhalte.
Doch hier in Taiwan ist meine Schale um einiges weicher geworden! Dafür bin ich dankbar.
 Ich bin stolz ein Deutscher zu sein. Ich bin stolz auf mich.
Vielen Dank (an Rotary, meine Gastfamilie, meine Freunde).



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