Montag, 8. September 2014

Über Zeit, Heimweh und Leben

Liebe Lieben in der Ferne,

in den letzten 4 Tagen ist wie immer viel passiert. Aber ich habe auch viel gedacht und überlegt, so wie ich es gerne tue. Nicht alle meine Gedanken waren immer der Gegenwart gerichtet. Nicht alle meine Sinne ganz in Taiwan, Taipei. Nicht alle meine Gefühle waren fröhlich und bei Laune und doch kamen sie immer aus dem Herzen.

Zuallererst möchte ich sagen, dass es mir Leid tut, wenn meine Einträge hier immer etwas lang sind. Aber ich liebe es zu schreiben und das hier ist der Weg mit euch zu kommunizieren, mit euch meine Erlebnisse und Gefühle zu teilen.
Und auch schreibe ich diesen Blog für mich. Neben Tagebuch, Souveniers und Terminplaner ist dies eine Erinnerung an all meine Zeit in Taiwan. Und die möchte ich so genau wie möglich festhalten.
Was ich hier lerne, lerne ich intensiv und mit voller Wahrnehmung. Deshalb sind meine Einträge so lang, weil es einfach alles aus mir raus kommt :)
Aber genug davon, ich habe sehr viele Bilder.

Wie ich glaube schon erwähnt hatte, war dieses Wochenende das "Mondfestival". Es wurde Mooncake verschenkt (der teilweise sogar vegan ist), die Leute laden sich gegenseitig zum Grillen ein oder es finden verschiedene Konzerte oder Festivals statt.
Zu diesem Anlass hat meine Klasse am Freitagnachmittag Mooncake gebacken. Da ich in meiner Schule in der Klasse bin, die sich auf "Lebensmittelverarbeitung" spezialisiert hat, habe ich aber eh jeden Freital zwei Koch- oder Backstunden.





Nachmittags hat mich mein Gastvater von der Schule abgeholt, weil wir mit der Familie gleich weiter in die Berge gefahren sind.
Nach einer "Horror-Tour" mit Vollgas auf der Überholspur und anschließend einer fast-sich-übergebenden Gastschwester kamen wir am "Berghaus" an, wo schon knapp 30 Leute auf uns warteten. Ich dachte, dass es eine kleine gemütliche Runde wird und wir alle zusammen gemütlich um ein Feuerchen sitzen. Aber in Taiwan sieht das Grillen etwas anders aus. Es war eine Catering-Firma da, die zwei Riesengrills aufgebaut hatte. Außerdem standen überall Menschen rum. Wie sich rausstellte waren das Geschäftspartner meines Gastvaters. Es war auch ein Franzose da, der Englsich sprechen konnte. Mit dem habe ich mich dann ein weilchen unterhalten. Auch hatte ich ein sehr schönes Gespräch mit meiner kleinen Gastschwester, die eigentlich erst zwölf ist, aber sehr viel reifer wirkt. Wahrscheinlich weil sie auch schon drei Monaten im Ausland war. Ich habe mit ihr über das "Anderssein" geredet und über Heimweh. Sie konnte mich gut verstehen und mir tat es gut, über die Dinge zu lachen, die ein anderer auch schon erlebt hat.

Am Abend gab es Karaoke und irgendwann gegen Mitternacht sind wir müde ins Bett gefallen.


Am nächsten Tag haben wir die anderen Gäste verabschiedet und ich bekam eine Sightseeing-Tour durch die Berge zu den bekanntesten Orten (also meine Gastfamilie ist rumgefahren und ab und zu sind wir ausgestiegen).
Hier seht ihr die Bilder:



Meine Gastmutter mag mein Gastgeschenk (Regenschirm mit dem Motiv von Dresden)




Ja, nichts für schwache Nerven






Am Abend gab es in meinem "Hof" eine kleine Show.
Es gab eine Bühne vor der viele Stühle standen und nach und nach trudelten die Bewohner des Hauses ein (ich nenne es immer Hotel, weil es wie ein Hotel aussieht).
Am Anfang habe ich nicht verstanden, was die Leute gequatscht haben und es war langweilig. Doch dann kamen drei junge Typen auf die Bühne und haben richtig gute Musik gemacht. Zwar auf Chinesisch, aber mir hat es gefallen, denn der Sound und die Melodie war echt super.
Da habe ich an Zuhause gedacht, weil es dort ja auch viele gibt, die solche Musik mögen. Ich war in Gedanken versunken. . . als mich plötzlich jemand anstupste. Ich blickte auf und sah jemanden, der nicht asiatisch aussah. Es war ein deutscher Kumpel, den ich im "Taiwan-Vorbereitungs-Camp" in Kassel kennengelernt hatte. Ich war so perplex und konnte erstmal garnicht glauben, dass da aufeinmal jemand Bekanntes vor mir stand. Es stellte sich sogar heraus, dass er nur zwanzig Minuten von mir entfernt wohnt (obwohl er in einem ganz anderen Rotary-Distrikt ist). Auch hatte er eine Austauschschülerin aus Amerika dabei, die nur wenige Blocks von mir entfernt wohnt. Und angeblich wohnen in Sanxia 6-7 weitere Austauschschüler. Er war bei dieser Show, weil ihre Gasteltern (von der Amerikanderin und seine) gut befreundet sind und die Amerikanerin eben fast nebenan wohnt und sie deshalb von der Show wussten. Ich war happy und wir quatschten eine ganze Weile. Es ist ziemlich komisch immer zwischen den Sprachen Deutsch, Englsich und Chinesisch zu wechseln - da kommt man manchmal durcheinander.







Am nächsten Morgen (Sonntag) hatte ich mir gewünscht, mal die "Memorial-Hall" gleich neben dem Taipei 101 zu besuchen.
Sie wurde extra für den Staatsgründer der Republik China errichtet und liegt umgeben von einem wunderschönen Park.
Innen sind einige Museen von Sammlungen von Kalligraphie, traditionellen Schmuckstücken und Geschirr, Schriftsammlungen und diverse Bilderausstellungen.
Wir waren da mit der Tante und Cousin meiner Gastschwestern.



Viele Gruppen treffen sich vor der Halle oder im Park, um dort ihre Freizeit zu verbringen. Jeden Morgen, wenn ich dort mit dem Bus zur Schule vorbeifahre, sehe ich auch Leute, die Tai Qi machen.



"Soldaten" bewachen die Statuen des Staatsgründers




Nicht selten in Taiwan . . . !







Im Park hat man eine gute Sicht auf den Taipei 101


Könnte da was runterfallen?






Zum Mittag gab es eine große Überraschung für mich, denn wir sind zu einem vegetarischen/veganen Restaurant gegangen. Es heißt "Loving Hut". Ich lass die Bilder für sich sprechen.
 

 Es gab sogar einen Nachtisch!


 Abends ging es noch zum Nachtmarkt. Dazu sind wir eine Stunde mit dem Zug Richtung Norden gefahren. Dafür lag dieser Nachtmarkt direkt am Hafen, das heißt ich habe das Meer gesehen. Der Nachtmarkt war spezialisiert auf Essen. Es gab alles mögliche. Und damit meine ich auch Hünerherzen, Tintenfische, Oktopusse, Schweineblut-Kuchen, u.s.w.
Ich habe mich mit Papaya-Salat (grüne Papaya, die wie Kraut schmeckt), Wassermelonen-Saft, Süßkartoffeln, Mais, Fruchttomaten und Mango zufrieden gegeben, was aber auch sehr lecker und sättigend war. Zu den Süßkartoffeln muss ich sagen, dass ich am Anfang dachte, dass es echte Süßkartoffeln sind ("Batate aus Südamerika, die es eben auch in Taiwan gibt). Aber mit "Süß" war gemeint, dass es einfach ganz normale Kartoffeln waren, die nur karamelisiert waren. Ich war zwar anfangs wegen der Zuckerkruste etwas verwirrt, doch es war trotzdem lecker. Wie gebrannte Mandeln, nur das innen eben keine Mandel, sondern eine Kartoffel war.
Und die Tomaten zählen hier übrigens zum Obst. Die Tomaten, die ich aß, enthielten eine Art getrocknete Plaumen innendrin. War sehr lecker!









Heute waren ich und die Thailänderin zum "Grillen" einer Klassenkameradin eingeladen. Heute war Montag und Feiertag (wegen dem Mondfestival).
Also habe ich mich heute früh auf den Weg gemacht bis ans andere Ende von Taipei. . . naja.
Dort erwarteten sie mich schon. Es stellte sich heraus, dass wir insgesamt neun Leute sein werden und aber vorher noch einkaufen gehen müssen. Okay. Das war okay. Es war echt lustig. Denn es stellte sich heraus, dass sie noch nie alleine gegrillt hatten und keine Ahnung, wo in dem Supermarkt irgendwas lag, was sie einkaufen wollten. Nach einer dreiviertel Stunde suchen stellte sich zudem noch heraus, dass wir auch noch einen Grill und Holzkohle kaufen müssen. . . aha. Tja, wie gesagt, es war sehr lustig.

Wir grillten übrigens im Wohnzimmer. Tja. . . wie vorhin schon erwähnt: Grillen ist hier sehr anders als in Deutschland. Seht selbst auf den Bildern.


Hühnerherzen gab es auch im Supermarkt


Marshmallows


Würste und Tofu


Das ist alles Reis! Ich esse hier übrigens so gut wie jeden Tag Reis. Einmal am Tag mindestens!



Tja, so sieht Grillen mal von der anderen Seite der Welt aus.


Marshmellows sind nicht so meine Welt. . . 



 Das gute alte Spiel "Wackelturm" - wer kennt es nicht?

So schön der Tag auch war: der Rückweg hat mich ein bisschen aus dem Gleichgewicht geholt. Denn leider fehlte Geld auf meiner MRT-Karte. Also bin ich zurück zum Convinience-Store gelaufen und habe erstmal 300 TWD aufgeladen. Das sind ca. 10 Euro.
Dann nahm ich die falsche U-Bahn, dann konnte ich meine Bus-Haltestelle nicht finden, dann war der Akku von dem Notfall-Handy meines Gastvaters leer, dann war auch noch viel Verkehr und ich kam eine dreiviertel Stunde zu spät. Ich war unglücklich und habe ich mich so oft entschuldigt. Meine Gasteltern haben das locker genommen, dass ich zu spät war. Sie haben gesagt, dass es nicht so schlimm ist und haben mich getröstet. Sie haben mir sogar gleich das Geld für die MRT wiedergegeben.
Ich habe meine Gastfamilie echt gern. Sie kümmern sich total lieb um mich, mein Gastvater hat mich vor seinen Freunden sogar als seine Tochter vorgestellt. Und das war ein total schönes Gefühl, denn als "Tochter eines Vaters" wurde ich lange nicht mehr bezeichnet. Denn wie viele von euch wissen, ist mein Papa vor zwei Jahren gestorben. Und es hat mich so glücklich gemacht, wieder von einem "Papa" als "Tochter" bezeichnet zu werden. Ich empfinde eine tiefe Traurigkeit und es brennt in meinem Herzen, wenn ich daran denke, dass mein Papa das alles hier nicht miterleben kann. Wie ich meinen Blog schreibe über das, was ich erlebe, was ich lerne, wie man lernt, sich in seinem Körper und in seinem eigenen Ich zuhausezufühlen. Denn das hat mein Papa nicht gelernt.
Aber ich bin unendlich dankbar für all das, was ich hier lernen darf. Ich bin einfach dankbar. Auch wenn ich mich nicht immer Zuhause fühle; auch wenn ich andere Ansichten von bestimmten Dingen habe, aber sie einfach annehmen muss; auch wenn ich abends nicht einschlafen kann, weil ich mit meinen Gedanken Zuhause bin; auch wenn es mir schwerfällt Chinesisch zu lernen; auch wenn all das geschieht - ich bin dankbar! Ich erlebe hier soviele schöne Dinge. Es sind 10 Monate, in denen ich ICH bin, in denen ich mich entwickle, in denen meine Zeit ist, in denen ich Sachen erlebe, die ich so wahrscheinlich nie wieder erleben werde.
Und eine sehr gute Freundin hat mir gesagt:
"Die guten Zeiten fallen nicht vom Himmel - man muss sie sich selbst schaffen."
Also nutze ich die Zeit, die mir bleibt, die existiert. Hier in diesem Moment!

Mit diesen Worten verabschiede ich mich für heute.
Ich denke an euch.

Eure Anna





Donnerstag, 4. September 2014

Glücksmomente

Meine Lieben,

heute kommt der letzte Post vor dem Wochenende, denn da werde ich mit meiner Gastfamilie in die Berge fahren.
Aber ich möchte euch trotzdem berichten.

Ich gehe nun 4 Tage zur Schule und langsam gewöhne ich mich dran. Schon nach 4 tagen. Es ist zwar immernoch etwas seltsam, dass ständig jemand meinen Namen ruft, aber das lässt vielleicht irgendwann nach.
Ich habe hier viele nette Leute getroffen und lerne jeden Tag neue Leute kennen. Und alle sind verschieden. Es ist so ein Klischee, dass wir Europäer denken, dass die Asiaten alle gleich aussehen. Aber wenn ich so die letzten 10 Tage zurückschaue, dann fragt man sich, warum man das all die Jahre gedacht hat. Alle sehen anders aus. Übrigens denken einige Asiaten das auch über die Europäer, dass wir alle gleich aussehen.
Mitlerweile schlafe ich auch zum "Mittagsschlaf" ziemlich fest, weil ich sehr oft müde bin. Es passiert jeden Tag etwas anderes, so viele Impressionen und Gedanken - da wird man schon müde. . .

Gestern hatte ich ein tolles Erlebnis. Erst mussten einige Klassen in eine Art Aula gehen und wir haben uns einen Vortrag angehört über "keine Ahnung was". Ich verstehe ja schließlich kein Wort. Und das ging zwei Stunden!!! Ich dachte ich sterbe. Und ich habe mich nicht getraut einzuschlafen, weil ich in der zweiten Reihe voll in der Mitte saß, der Redner hätte das also gesehen und ich dachte es wäre unhöflich zu schlafen. Doch es war eine Qual. Probiert ihr mal, euch zwei Stunden in einen gemütlichen Sessel zu setzen (ich saß auf einer Art Kinostuhl) und zwei Stunden lang einem chinesischen Vortrag (vielleicht auf YouTube) anzuschauen. Es war ganz ganz schrecklich. Auch die Thailänderin warf mir die ganze Zeit qualvolle Blicke zu, das hieß, ich war nicht allein :)
Zumindestens fühlte ich mich nach diesem Vortrag sehr müde natürlich und ich war auch ziemlich niedergeschlagen. Ich dachte in dem Moment, dass ich nie Chinesisch lernen werde und ich wollte nur noch raus aus dieser Schule. Weil eh Schluss war, nahm ich schnell meine Tasche und wollte gehen. Doch plötzlich stand ein Mädchen vor meinem Klassenzimmer und sprach mich in perfektem Englisch an. Sie möchte sich mir gerne vorstellen, weil sie auch mal ein Austauschjahr machen möchte. Und so kamen wir ins Gespräch. Sie ist sehr nett und ich verstehe mich sehr gut mit ihr! Sie geht nachmittags nicht mal zur Nachhilfe (Cram School - wie die anderen Taiwanesen), das heißt, wir können auch nachmittags was zusammen machen. Das war echt ein Freudenerlebnis! Sie hat sogar die selbe Haltestelle wie ich, also können wir zusammen zum Bus laufen.
Abends war ich aber so kaputt, dass ich diese Woche nicht zum Yoga mit meiner Gastmutter ging, was um 20 Uhr anfängt und ich gehe in letzter Zeit schon 20:30 Uhr ins Bett. Einfach weil ich müde bin. Aber nächste Woche werde ich mitmachen.

Heute früh habe ich Schokoladenbrot gegessen. Und es gibt auch viel von solchem Früchtebrot hier in Taiwan. Gebäck ist generell mehr süß. Es schmeckt sehr lecker, aber in Deutschland werde ich bestimmt mit als Erstes eine schöne dicke Scheibe dunkles Bauernbrot essen. Sowas gibt es nur in Deutschland!
Heute habe ich auch jemanden von Rotex an meiner Schule getroffen. Rotex sind die Leute, die schon ein Austauschjahr hinter sich haben. Er war in Argentinien. Ich treffe hier jeden Tag neue Leute. Das ist echt interessant und es fühlt sich gut an.

Das war's erstmal. Ich habe auch noch ein paar Fotos von meiner Klasse und Schule.



Die zwei Mädchen (!) lesen mein Chinesisch-Lern-Buch und haben viel Spaß dabei. Für sie ist es schließlich wie Grundschule


Mittagszeit


Ich bekomme hier ständig Essen geschenkt - das ist Moon-Cake. Es ist traditionell. Denn dieses Wochenende ist das Mond-Fest, und am Montag muss ich nicht in die Schule :) Es hat eine Mürbeteigahnliche Konsistens, ist aber mit etwas anderem gefüllt. Die Füllung besteht aus einem Brei aus grünen Bohnen und noch irgendwas. Sehr lecker!


Chinesischunterricht mit den anderen Austauschschülern - wir haben hier die USA, Frankreich, Spanien, Thailand, Russland, die Schweiz und natürlich Deutschland :)


Früchtebrot


Mein Schulgelände







Ich und die Thailänderin - sie ist eine der besten Freunde, die ich hier gefunden habe. (Ja, sie sieht aus wie ein Junge - sie ist aber wirklich ein Mädchen!)


Meine Klasse. Das sind definitiv nicht alle! Es sind knapp 42 (!) Leute in meiner Klasse!!!



Nochmal Moon-Cake. Hat die Thailänderin für mich gemacht. Oder sie hatte das mit ihrer Klasse im Unterricht gemacht und mir welche geschenkt. Morgen werden wir irgendwo hingehen, wo ich sehen kann, wie das hergestellt wird. Eine Art Manufaktur also. Und meine Klasse und ich werden auch bald Monn-Cake machen (im Unterricht) - sehr lecker!!!

Ich sende euch die besten Grüße!!!! Ich hoffe ihr seid gut in die Schule und Ausbildung gestartet und kommt gut zurecht. Und natürlich auch gut in die Arbeit. Ich denke an euch! 

Fühlt euch umarmt!
Eure Anna

Dienstag, 2. September 2014

Schule

Hallo meine Lieben,

leider habe ich mich ein paar Tage nicht gemeldet, aber ich hatte einfach keine Zeit, also entschuldigt bitte.
Heute ist der 2. Tag, den ich in der Schule war, vorbeigegangen und was soll ich sagen:
es ist mal wieder anders, so wie alles. Ich weiß nicht, ob ich es schon erzählt habe, aber das anders sein beginnt schon beim Waschen. Es geht über das "auf den Bus warten", eine Fahrkarte kaufen, duschen, essen, wohnen bis hin wie man auf's Klo geht (es ist eine Art Kloschüssel im Boden - außer bei den Taiwanesen zu Hause, da haben sie die "normalen" Toiletten).

An meinem ersten Schultag musste ich erstmal in's Sekreteriat. Ich hatte noch keine Schuluniform, deshalb musste ich meine dunkelblaue Jeans und eine weiße Bluse anziehen.
Mit den anderen beiden Austauschschülern (russland und Thailand) sind wir dann mitt der Sekretärin (?) auf den "Schulhof" gegangen und da war die ganze Schülerschaft versammelt!!! Das waren echt krass viele! Sie standen alle in Reihe und die Nationalhymne wurde gespielt. Dann wurden wir nach vorne geführt und mussten uns vorstellen. Erst in unserer Landessprache und dann auf Chinesisch. Das war echt komisch. Und alle haben gejubelt und applaudiert und so weiter.
Später wurden wir von jeweils einer Klassenkameradin abgeholt und zu unserer Klasse geführt. Alle haben mich angestarrt und gekichert oder gelacht. Am Ende stellte sich raus, dass sie selbst nur aufgeregt waren. In der ersten Stunde wurde die Anwesenheit geprüft, dann hatten sie Chinesischunterricht (wie bei uns Deutschunterricht). Ich habe natürlich nichts verstanden und habe mit meinem Chinesischzeug gelernt.
In der Pause musste ich (das ist nunmal menschlich) auf's Klo. Ich fragte die Klassenkameradin, die "für mich zuständig ist" und sie zeigte mir die Toiletten. Ich denke jeder wusste an dem Tag, dass ich in der ersten Pause auf dem Klo war. Alle hier starren mich an von überall und alle sagen "hey" oder "hi" und so weiter. Also fall's ich mal was für mein Ego brauche, einfach draußen auf dem Gang rumlaufen. Und sie sagen die ganze Zeit, dass ich hübsch aussehe und dass sie meine Augen toll finden, weil sie noch nie farbige Augen gesehen haben, nur schwarz und braun.
Oh. . . und in der zweiten Pause bat mich S. (das ist die, die für mich zuständig ist - sie ist echt richtig lieb und hilft mir total viel) ihr meine Mittagsbox zu geben, denn sie wollen das Essen warm machen (meine Gastmutter hat mir am Abend eine Lunchbox fertig gemacht - es ist üblich in Taiwan das Essen mit in die Schule zu nehmen. Also nicht nur eine Schnitte, sowas haben die hier ja nicht, sondern Reis mit Pilzen oder Gemüse oder Nudeln mit Gemüse u.s.w. Meine Gastmutter kocht immer am Abend, so macht sie etwas davon in die Box ab.) Zumindestens dachte ich, dass ich das kalt esse, doch die haben da einen kleinen silbernen Ofen in ihrem Klassenzimmer!!! Um das Essen warm zu machen! Wow. . . das ist echt anders. . . das ist das Wort, das ich in letzter Zeit am häufigsten verwende - "anders".
Nach ca. 30 min. kligelte es und alle legten den Tisch auf den Kopf. Ja, denn hier ist es üblich nach dem Essen für 30 Minuten zu schlafen. Und man darf nicht raus aus dem Zimmer. Jeder muss seinen Kopf auf die Bank legen - ob er schläft oder nicht, ist jedem seine Sache.
Die Leute hier sind alle sehr nett, doch trotzdem war ich am Ende des Tages sehr zurückgezogen. Ich hatte das Gefühl, dass alle mich kannten, doch ich kannte niemanden! Ich fühlte mich trotz "Bewunderung" und "Beachtung" so einsam und ich sehnte mich nach meinen Freunden zuhause. Und nach allen anderen. Es war an diesem Tag einfach alles viel zu laut für mich. Und zu aufregend. Und die Schule endet um 4. Und ich darf erst 16:20 gehen, weil dann die Tore geöffnet werden, vor dem Polizisten stehen. Und ich muss ein Buch führen (nur Austauschschüler), in dem ich schreibe, wo ich zu welcher Stunde war und der Lehrer soll das unterschreiben. Und ich muss immer wenn ich komme und wenn ich gehe ins Sekreteriat gehen und so eine Karte in einen Automaten einführen, damit die sehen, wann ich gekommen bin und wann ich gegangen bin. Das fühlt sich echt an, wie in einem Gefängnis. Und jeder Schüler hat eine Nummer. Das ist so anders als bei uns und ich weiß nicht, ob ich das gut finde. Ich muss auch 90 Minuten mit dem Bus nach Hause fahren, weil ich nicht direkt in Taipei wohne, sondern im Umland. Und als mein Gastpapa gesagt hat "Du fährst ja ziemlich lange, das ist bestimmt nicht so schön", hätte ich fast vor ihm geheult.
Es war ganz schön anstrengend und ich muss mich an alles erst gewöhnen. Ich hatte ganz schön Heimweh. Doch dann bin ich wieder in das Fitnessstudio gegangen und bin den Sorgen davongerannt. Danke Mama, für deine Liebe!!!

Ich hörte Abends ein Lied von einer meiner Lieblingsbands, da singen sie:

Mir fehlt die Sprache, mir fehl'n die Sinne,
mir fehlt der Boden und am meisten deine Stimme.
Schrei mich an, oder lass es sein,
doch bitte lass mich nicht mit dieser Welt allein."

Das hat in dem Moment echt gepasst, aber sie sangen auch:

"Finden, finden, finden, finden, finden ist nicht wirklich gut, wenn man immer nur das findet,
das man sowieso schon sucht."

Und so habe ich probiert wieder nach vorne zu schauen.

Heute morgen ging es schon wieder. Meine Uroma sagte: "Das Beste, was man zwischen Verzweiflung und Hoffnung tun kann, ist eine tief durchschlafene Nacht." Tja, recht hatte sie.
Ich nahm mir Musik mit in den Bus und mit AC/DC - Motivationsmusik begann der 2. Schultag. Heute traf ich die anderen Austauschschüler für das gemeinsame Chinesisch-Lernen. Und es hat echt Spaß gemacht. Wit haben das chinesische Alphabet gelernt, was ich ja schon angefangen hatte und haben Konversationen auf Chinesisch gehalten. Es war schön, zwischendurch sich auch mal auf Englisch unterhalten zu können, denn das kann ich hier halbwegs fließend reden. Und leider verstehen mich die Taiwanesen nicht immer, weil sie nicht so gut Englsich sprechen können. Deshalb konnte ich mich heute etwas austauschen. Wir haben auch Spiele gespielt und es hat wirklich viel Spaß gemacht!!! Wir waren ungefähr 15 Austauschschüler.
Der Unterricht ging bis zum Mittag. Weil wir noch 30 Minuten bis zur Pause hatten, sind die Thailänderin und ich über den Schulhof geschländert und haben uns unterhalten. Sie ist echt total lieb. Sie hatte in Thailand fünf Jahre Chinesisch und kann sich etwas mit den Taiwanesen verständigen. Sie will mir mit dem Chinesisch helfen und mir auch Basketball beibringen :)
In meiner Klasse wurde ich wieder sehr herzlich begrüßt, es gab Mittag und Mittagsschlaf und danach hatten wir das Fach "Gesundheit". Das finde ich echt super. Sie Lehrerin hat einen Film gezeigt, über alte Menschen, die trotzdem noch das Leben genießen; über die Folgen von schlechter Ernährung und sogar einen Ausschnitt aus dem "Jamie-Oliver-Projekt" in Amerika. er hat ja dort den Kindern beigebracht in sehr vielen Schulen, wie man kocht und gesund lebt. Da habe ich auch mal was verstanden, denn Jamie Oliver spricht ja Englisch. Es gab auch chinesischen Untertitel. Jamie Oliver sagte, dass diese Kinder womöglich zehn Jahre jünger leben, als ihre Eltern. Und das bekommen hier die Schüler im Unterricht gezeigt. Das fand ich echt super.
Danach hatte ich Englisch. Meine Lehrerin hat zwar die ganze Zeit auf Chinesisch geredet, warum auch immer. aber die Schüler haben Fragen gestellt, was sie von mir wissen wollten und sie hat es übersetzt. Das war eine lustige Stunde und die Schüler waren dann nicht mehr so schüchtern. Sie wollen bald mit mir auf einen Nachtmarkt gehen und mit mir "Stinky Tofu" essen.
Heute war ein sehr schöner Tag und ich habe das Gefühl, in meiner Klasse ein paar Freunde gefunden zu haben. Sie helfen mir sehr. Und sie können zwar kein Englsich sprechen, aber sie können es verstehen. Was ich am Anfang nicht wusste. . .
Ein Mädchen aus meiner Klasse, das aussieht wie ein Junge, hat mich gefragt, ob wir "garden elf" in Deutschland haben. Sie malte es sogar auf, aber ich realisierte erst nach 30 Minuten, dass sie Gartenzwerge meinte. Das war lustig.


                                                           Der "deutsche" Gartenzwerg





                                                             
                                                                Ein etwas anderes Klo


Ach ja . . . am Sonntag habe ich braune Reismilch getrunken. SOOO TOLL! Das ist eine dickflüssige pflanzliche Milch, wie ein Smoothie aus Reismilch, Sojamilch, Sesam, Getreide und Erdnüssen. So toll!
Und ich war am Samstag in einem Buchladen, als ich ja wie schon berichtet, mein "Kinderbuch" gekauft habe. Auf jeden Fall: viele von euch kennen ja die Mangas, die von rechts nach links gelesen werden und die in Asien so bekannt sind. Zumindestens habe ich auch "Gregs Tagebuch" und "Eragon" gefunden, das auch von rechts nach links gelesen wird. Das fand ich so lustig!!!






Heute war ein guter Tag. Ich realisiere langsam, das ich jetzt in Taiwan bin, dass ich jetzt hier lebe. Dass ich einfach hier bin. Das Leben geht weiter, auch bei euch in Deutschland. Aber ihr seid in meinem Herzen. Ihr habt mir die Wurzeln gegeben, die ich brauche um nun als Baum groß, stark und in voller Blütenpracht zu wachsen.
Ihr habt mir einen Stern gegeben und nun muss ich ihn zum Leuchten bringen.
Das Wort LIEBE beschreibt nicht, wie dankbar ich dafür bin, so tolle Freunde und eine so tolle Familie zu haben, die mich stützt und die immer für mich da ist. Die mir Halt geben und die einfach ein Teil von mir sind.
Ich liebe euch und bin euch unendlich dankbar - jeder von euch, mit dem ich dazulernen darf, der mich auf meinem Weg immer ein Stück begleitet hat.
Diesen Weg gehe ich nun alleine, aber durch euch, habe ich eine gute Basis.
Ich liebe euch!!!

Eure Anna

P.S. Ach ja . . . die Klassenkameraden haben mir am ersten tag auch noch ihr ganzes Essen und lauter Süßigkeiten geschenkt. Das war echt lustig :)

Samstag, 30. August 2014

Enjoy!

Hallo ihr Lieben,

die letzten Tage habe ich mich leider nicht melden können, so gern ich es auch getan hätte.
Doch nun probiere ich alles kurz und knapp zusammenzufassen, was aber trotzdem Zeit dauern wird, weil einfach so viel passiert ist!

Am Mittwoch war das erste Rotary-Meeting von meinem Club. Es gibt noch eine andere Austauschschülerin in meinem Club, sie kommt aus den USA und sie ist auch Vegetarierin :) Sogar mein Counselor (Betreuer) ist Vegetarier. Das finde ich voll cool, als ob das abgestimmt war :)
Auf jeden Fall waren auch noch zwei weitere dabei (USA und Frankreich), die aber nicht in meinem Club sind. Zur Begrüßung haben die Rotarier gesungen ("Seid gegrüßt Rotarier, schön, dass wir zusammen sind von überallher u.s.w. ...). Danach gab es Mittag und wir konnten uns kennenlernen. Nach dem Mittag gab es noch einen Vortrag (ich glaube über irgendwelche chemischen und biologischen Prozesse im menschlichen Körper und Genetik) - da sind wir so müde geworden. Überhaupt habe ich das Gefühl hier mehr müde zu sein, obwohl ich ordentlich schlafe (mittlerweile schlafe ich durch). Wahrscheinlich liegt das daran, dass alles neu hier ist.





Nach dem Meeting fragte mich meine Gastmutter, ob wir zum Taipei 101 gehen wollen, weil wir den Nachmittag frei hatten. Natürlich sagte ich ja. Der Taipei 101 ist ein großer Turm, so ähnlich wie das Empire State Building in New York. Es hat viele Büros und den schnellsten Fahrstuhl der Welt, der sogar im Guinessbuch der Rekorde steht. Als wir hochgefahren sind, dachte ich, dass mein Gehirn gleich platzt, wegen dem Druck.
Aber oben war es schön! Man konnte zwar nicht bis in die hintersten Berge gucken, wahrscheinlich wegen den Abgasen oder Dampf oder Nebel oder was auch immer, aber man konnte trotzdem fast ganz Taipei sehen. Ich bekam sogar einen deutschen Audio-Guide! Dadurch erfuhr ich, wie wichtig Taiwan und Taipei wirklich für die Wirtschaft ist. Nämlich mega!!!! Hier sitzen an jeder Ecke große Großkonzerne. Lieder kann ich mich nicht mehr dran erinnern, wie viel Geld darei investiert wurde, aber es werden schon einige Milliarden gewesen sein. Man sagt sogar, dass Taipei sein eigenes "Sillicon Valley" ist. 
Neben dem Taiepi 101 steht der (ehemalige?) Präsidentenpalast. Außerdem gibt es hier lauter Parks und grüne Flächen und Wege zwischen den Fahrbahnen der Autos und Busse. 
Man hat auch einen Tunneleingang gesehen, der durch die Berge führt. Mit dem Audioguide erfuhr ich, dass das ein ganz besonderer Tunnel ist. Denn er geht wirklich durch die ganzen Berge. Nicht nur kurz rein und raus. Sonder er geht richtig weit! Zumindestens weiß ich, dass man in Ost-Taiwan rauskommt und an der Küste weiterfahren kann. Eigentlich war dieses Tunnelprojekt architektonisch überhaupt nicht möglich. Doch 2006 ist der Tunnel fertig geworden.
Es ist echt erstaunlich, was die Taiwanesen auf so einer kleinen Fläche alles zustande bringen. 
Später gingen wir noch in einen Raum, wo eine riesige Metallkugel hing. Es stellte sich raus, dass diese Metallkugel dafür sorgt, dass der Taipei 101 nicht umfällt, wenn mal ein Sturm aufkommt, weil sich die Kugel dann in die entgegengesetzte Richtung bewegt. Der Taipei 101 hat die größte, öffentlich zugänglich Metallkugel (das Ding heißt "Winddämpfer" oder so ähnlich).

Danach sind wir zu der Wohnung von der Mama meiner Gastmama gefahren, also zu meiner Gastoma. 
Von außen sind die Häuser ziemlich unscheinbar, wie man auch in Google Maps sehen kann. Doch von innen sind die Wohnungen eigentlich ganz hübsch.
Es waren auch die Schwägerin, der Neffe und die Nichte meiner Gastmutter zu Besuch. Ich habe Nashi-Birnen probiert und die sind einfach. . . ganz anders. Sie sind süß und saftig, wie jedes Obst hier! 
Der Neffe wird zweisprachig erzogen . . . ich habe ja schon so einiges über das asiatische Schulsystem erfahren . . . später dazu mehr.






                 Für meine Bio- u. Matchafreunde - schaut mal, was ich gefunden habe . . .



Am Freitag bin ich mit meiner Gastmutter das erste Mal zu meiner neuen Schule gefahren. Ich fahre über eine Stunde und sie ist nicht weit vom Taipei 101 entfernt.
Dort angekommen, tarf ich meinen Counselor und eine Thailänderin und einen Russen, die aber nicht in meinem Distrikt sind. Am Anfang dachte ich, dass die Thailänderin ein Junge ist, was sich dann aber anderes herausgestellt hat (ja, ich habe gefragt). Aber sie fand das nicht schlimm. Sie ist sehr nett, aber schüchtern. Der Russe hingegen nicht (klingt das komisch, wenn ich "der Russe" schreibe?). Er hat die ganze Zeit geredet und geredet und ist davon ausgegangen, dass alle sein Englisch verstehen. Er konnte ka auch gut Englisch reden, aber die Taiwaner können eben nicht so gut Englisch. Die haben die ganze zeit gelacht. Oh. . . und übrigens . . . der Russe sagte, dass ich wie ein "Arier" aussehe. Ich dachte nur nur so: "Hallo?! Was zum . . .?!". Und er wollte mit mir über den zweiten Weltkrieg reden und so weiter. Und er findet das interessant, weil sie in ihrer Schule viel darüber reden.. (und er meinte dass Russland den Krieg gewonnen hat - keiner hat gewonnen, meiner Meinung nach! Wahrscheinlich haben laut den Amerikanern die Amerikaner gewonnen. . . So ein Blödsinn). Und er sagte, dass er noch nie einen Deutschen getroffen hat, deshalb interessiert es ihn. Aber im Nachhinein denke ich, dass er das nicht böse gemeint hat. Er ist total lustig, ich habe auch gesagt, dass wir nicht "Arier" sagen. Das wir so etwas überhaupt nicht mehr unterscheiden in Deutschland. Das hat er verstanden. Tja, so lernt man die Kulturen kennen.

Danach sollte ich meine Schulkleidung bekommen. Ich krieg sie aber erst am Dienstag und muss bis dahin eine dunkle Hose und ein weißes T-Shirt anziehen, weil die erst bestellt werden muss. Bei Gelegenheit lade ich mal ein Bild hoch.

Zurück in meinem Stadtteil waren wir in einem "Nudelsuppen-Laden" und haben Nudelsuppe gegessen. Man bekommt eine große Schüssel mit Flüssigkeit und man "sucht" praktisch die Nudeln und das Gemüse (oder Fleisch und Fisch) mit der Kelle heraus und isst das dann mit Stäbchen von der Kelle runter. Echt lustig. 
Danach habe ich mich auf den Weg zu dem Buchladen gemacht, den ich schon mit meinen Gastschwestern ausfindig gemacht hatte. Ich kaufte einen Planer und ein kleines Kinder-Erstlesebuch. Es steht da auf Englisch, in chinesischen Zeichen und in Bopomofo. Bopomofo ist das chinesische Alphabet und dank der Liste einer Freundin konnte ich die Zeichen dann entschlüsseln (DANKE Laura!!!).
So habe ich schon die Seiten für Berufe und Familienmitglieder geschafft :) Es war komisch inmitten der Kinderbücher zwischen den Kindern ein passendes Buch auszusuchen. Und wenn es nicht reicht, dass dich sowieso schon alle anstarren, starren sie sich nochmehr an, weil du ein Baby - Erstlesebuch kaufen willst und deshalb über 20 Minuten danach suchst.





Zurück zum Schulsystem, das hier wirklich krass anders ist. Das sieht man an meinen Gastschwestern. Meine ältere Gastschwester ist gestern um 17 Uhr zum Chinesischunterricht gegangen (wie bei uns eben Deutschunterricht). Davor hat sie dafür 2 Stunden an einem Aufsatz gesessen. Sie kam um 23 Uhr wieder und hat noch nach Mitternacht gelernt. Am nächsten Tag ist sie um 6:30 Uhr aufgestanden und ist zum Matheunterricht gefahren. Und das ist eine "zusätzliche" Schule. Und eigentlich haben sie Ferien. Sie nennen diese Schule "cram school", was soviel bedeutet wie Förderunterricht. Aber wenn man nur "cram" übersetzt heißt es "vollstopfen" oder "einpressen". Mehr muss ich nicht sagen, oder? Aber wie gesagt: andere Kultur - alles anders!
Abends war ich mit meiner Gastmutter im hochhauseigenen Fitnessstudio. Es ist unangenehm nicht in der Natur joggen zu können, doch garnicht joggen zu können, ist noch blöder, also war das okay. Ich habe außerdem das erste Mal "Squash" gespielt, wo man in einem kleinen Raum Tennis spielt und den Ball eben an eine Wand schlagen muss. Für das Fitnessstudio muss ich übrigens nichts bezahlen, genauso wenig, wie für das Kino im Hochhaus (!), aber ich glaube dass ich das schon im letzten Eintrag geschrieben hatte.

Heute war die erste Inbound Orientation. Da habe ich alle Austauschschüler kennengelernt, die in meinem distrikt sind. Alle sind nett und ich habe auch schon gute Freunde gefunden. Besonders die aus Australien sind sehr nett, aber auch aus Polen, Spanien, Kananda und überhaupt sind alle nett. Bis auf einen aus Dänemark oder Norwegen, der sich wie folgt vorgestellt hat "Ich heiße . . . und ich bin voll krass wunderbar cool ("fucking awesome"). I like Girls and if you want my number, then check me out." Und er hat die ganze Zeit zu einer aus der schweiz gesagt, dass sie nicht Englisch sprechen kann, dabei hätte ich nicht erraten, dass sie deutsch spricht, weil ihr Englisch so gut war. Das ist ein Vollidiot.
Ach ja, ich habe auch einen Freund aus Tschechien gefunden. Er saß neben mir und ist echt nett! Wir haben die ganze Zeit gelacht über alles mögliche und haben uns echt gut verstanden. 
Rotary hat uns etwas über Kultur-Schock, Chinesisch-Unterricht, 1. Schultag, Familienleben und noch mehr erzählt als Einführung in das Leben in Taiwan. Rotex (die, die schon im Ausland waren) haben auch ein kleines Thaeterstück gespielt.

Irgendwann war es halb fünf und die Schulklingel hat geklingelt (das ganze hat in einer Aula einer Schule stattgefunden). Da habe ich zu dem Tschechien auf deutsch gesagt "Oh Gott, jetzt würden wir erst nach Hause gehen!" Und da hat er mich komisch angeschaut. Und plötzlich realisierte ich, dass er mich ja nicht verstand. Wir haben die ganze Zeit gelacht, ich musste sogar heulen, das war so komisch, aber lustig. Es war total . . . durcheinander, denn auf einmal habe ich deutsch geredet.
Aber vielleicht lag es daran, dass ich mit den Leuten plötzlich in einer vertrauten Umgebung war und es mir gut ging und das alle gerade ähnliche Dinge durchmachen (es gab auch eine Französin, die wie ich, ein bisschen Heimweh hat. Ich habe kein schlimmes Heimweh - alles gut. Das ist hier eben alles sehr neu und aufregend und ich möchte das eben alles sofort mit euch teilen). Da wurde mein Gehirn eben angetrickert, weil es das ja eben hauptsächlich von Deutschland kennt mit all der Vertrautheit.
Ich muss imernoch drüber lachen. Das war so komisch.
Dann wurden noch Bilder gemacht, Pins getauscht für den Rotary-Blazer, und dann sind wir noch in ein Restaurant gegangen, wo es logisch laut herging, weil wir uns alle unterhielten und lachten.
Mein Gastvater hat mich dann abgeholt.
Abends waren wir nochmal bei der Familie von meiner Gastmutter, aber aufeinmal hatten sie eine Wohnng drei Etage unter uns. Also wohnen sie auch in unserem Haus. Wahrscheinlich haben die hier einfach mehrere Wohnungen. . .


                                                              DEUTSCHALND!!!


   Die Franzosen haben sich immer in unser Bild geschmuggelt (die sind eh ein bisschen. . . verrückt)

Was mir so aufgefallen ist:

  • Es ist wirklich war, dass es nur sehr wenige gibt, die in der U-Bahn nicht auf ihr Telefon schauen.
  • Ihr habt das sicherlich schonmal erlebt, dass man in der U-Bahn ein Ticket an den Sensor halten muss, damit sich die Schranken öffnen, damit man durchgehen kann. In Taiwan sind die Schranken so lange geöffnet, dass man theoretisch gleich hinterher gehen kann, wenn einmal jemand seine Karte drangehalten hat. Es piept eh die ganze Zeit, weil so viele Menschen da durch gehen, da würde das wohl niemand merken . . .?


Puhh. . . das war wieder viel.

Seid ganz lieb umarmt von Anna (die glücklich ist)