Montag, 8. Dezember 2014

Neuer Alltag, Trubel und Abenteuer

Hallo ihr Lieben,

und schon wieder verspätet sich mein Blogeintrag leider etwas.
Nichtsdestotrotz habe ich einen guten Grund dafür, was ihr aus dem "Abenteuer" in der Blogüberschrift herauslesen könnt.

Diese Woche war meine erste Woche in der neuen Gastfamilie. Und ich muss sagen, dass ich absolut zufrieden bin.
Ich werde ab jetzt insgesamt nur noch zwei, anstatt drei Gastfamilien haben.
Wir tauschen als drei Austauschschüler untereinander unsere Gastfamilien, ich, die Amerikanerin und die Französin. Allerdings hatte die Französin eine Allergie gegen Tierhaare, weshalb sie nicht in meiner ersten Familie leben konnte und deshalb ein neuer Tauschplan hermusste.
Nach vielem hin und her und rumgetausche und Diskussionen und einig sein und doch wieder nicht einig sein haben wir dann eine gute Lösung gefunden.
Ich will darauf jetzt nicht näher eingehen, das würde zu viel Platz wegnehmen und mich wieder nur unnötig aufregen.
Zumindestens lebe ich jetzt in meiner zweiten Gastfamilie und Ende Februar oder Mitte März gehe ich schon wieder zurück zur ersten Gastfamilie.
Für mich ist das in Ordnung, denn beide Familien sind für mich nicht nur Gastfamilien, sondern sie sind für mich zu richtigen Familien geworden - ein Gefühl von Zuhause, das immer in meinem Herzen gespeichert sein wird.

Diese Woche war bis auf Samstag unglaublich kalt! Keine Ahnung wieviel Grad es waren, vielleicht 14 - 17 °C, aber es fühlt sich hier kälter an als 14 - 17°C in Deutschland, womöglich liegt das an der Luftfeuchte. Zumindestens trage ich dicke Leggins unter meiner Schulhose und ein langes nterhemd und ein T-Shirt unter dem Schulhemd. Im Klassenzimmer setzt man die Mütze auf, denn wie ich schon im letzten Blogeintrag geschrieben habe, eine Heizung gibt es nicht, das lohnt sich für die drei oder vier Monate nicht, denn Strom wird im Sommer vorallem für die Klimaanlage gebraucht, deshalb muss man sich im Winter einfach dicker anziehen.

Da ich jetzt in einem Departmentstore lebe und es einen extra Shuttlebus dorthin gibt, muss ich mich immer bemühen, den Bus nicht zu verpassen.
Es gibt auch einen freien Bus nachmittags, den ich nicht bezahlen muss. Um den zu bekommen muss ich von der Metrostation immer ein ganzes Stückchen laufen, was aber kein Problem für mich ist und dann fahre ich meistens gemeinsam mit meiner kleinen Schwester.
Dienstagnachmittag waren wir zusammen Tischtennisspielen. Eigentlich wollten wir Schwimmen gehen, aber leider ist in der Schwimmhalle die Decke etwas eingestürzt, sodass wir warten müssen, bis die Reperaturarbeiten erledigt sind.
Aber Tischtennisspielen war auch in Ordnung, außerdem haben wir was zusammen gemacht und ich hatte gleich die Möglichkeit sie etwas besser kennenzulernen.
Meine Oma hier kocht immer übrigens das Abendbrot und es ist unglaublich lecker!
Auch meine erste Gastmama konnte unglaublich toll kochen, und sie hat mir außerdem viel beigebracht, sodass ich glaube dass ich mit der Taiwanküche hier echt Glück gehabt habe :)
Geniessen, solange man kann :)

Mittwoch hatte ich das erste Mal Sportunterricht. Ja, das klingt komisch, ich meine in der Schule.
Denn normalerweise hat meine Klasse immer zur selben Zeit Sport, wie ich Chinesischunterricht, deshalb mache ich Sport immer für mich alleine.
Ich erzähle euch das deshalb, weil ich jetzt wirklich ernsthaft anfange für einen kleinen Streckenlauf zu trainieren, denn im Januar werde ich mit meiner Gastmama an einem 8,5 km Lauf um einen See im zentralen Taiwan teilnehmen :)
Und da kam mir das Training in der Schule gerade richtig!
Allerdings heißt das jetzt auch jeden Mittwoch als Schlumpf in der Schule antanzen. Das ist kein Scherz, Jogginghose und Trainingsjacke in schlumpfblau. Allerdings superbequem und jeder sieht darin komisch aus, dass es schon wieder als normal erscheint so rumzulaufen.
 Nach dem Lauf, nachmittags, haben meine Klasse und ich einen Tempel besucht, einen der berühmtesten Tempel in Taipei, den ich aber vorher schon mit Freunden besucht hatte.
Da ich nach dem Lauf sehr müde war und die Führung logischerweise auf Chinesisch war dieser Nachmittag sehr anstrengend für und ich war froh, als ich Zuhause endlich ins Bett fallen konnte.
Oh, und die vegane Bäckerei hat mich an diesem Tag auch angerufen, dass ich nächste Woche vielleicht das erste Mal zum Back"unterricht" kommen kann, juchhuu :) Ich freue mich :)

Freitag hatte ich einen weiteren Klassenausflug. Ich habe das Gefühl, dass meine Klasse ziemlich oft unterwegs ist, eigentlich als einzige Klasse an meiner Schule. Ich meine wir sind die "Nahrungsmittel-Verarbeitungsklasse", aber die Klasse der Thailänderin, auch dieselbe Fachrichtung ist nicht mal halbsoviel unterwegs. Vielleicht bin ich einfach nur aus Glück in diese Klasse reingekommen.
Zumindestens sind wir am Freitag in den Norden von Taipei gefahren, nach Taoyuan. Und da ist mir wieder aufgefallen, wie riesig Taipei mit seiner Umgebung ist, und wie lange man fahren muss, im Verhältnis zur Größe von Taiwan (wir waren ca. 1,5 - 2h unterwegs).
Da wir eben die Fachrichtung "Nahrungsmittelverarbeitung" haben, sind wir zu vier (!) verschiedenen Fabriken gefahren. Ja, es waren vier. In Deutschland hätten wir uns wahrscheinlich eine herausgepickt und sie komplett besischtigt.
Aber nein, die erste Fabrik war eine Fabrik, die eigentlich alles herstellt von Brot, über Kekse, Kartoffelchips, Tofu und Jelly bis hin zu Sojamilch.
Wir haben durch ein fenster gesehen, wie der Teig zu Brot geformt wurde (aha) und dann haben meine Klassenkameraden den Fabrikverkauf gestürmt.
Tja, soviel zu einer Fabrikbesichtigung . . .

 Ein Tisch voller Waren, die die Fabrik unter anderem herstellt
 Kaufen . . .
 . . . und kaufen . . .
 . . . und Eis gab es auch.

Die zweite Fabrik war ein Fabrik, die Teeblätter so verarbeitet, das sie am Ende zu Tee werden. 
Um die Gebäude herum waren überall Teefelder, aber leider haben wir uns diese nicht angeschaut, sondern nur die Maschinen, mit denen die Teeblätter verarbeitet werden.
Natürlich auch auf Chinesisch.


Die dritte war über Nahrungsergänzungsmittel, wo wir uns einen Film angeschaut haben, aber ich nicht anders konnte als einzuschlafen.

Die vierte und letzte war die bekannteste Sojasoßenhersteller-Fabrik in Taiwan, die natürlich auch exportiert.
Das war ganz interessant, weil wir wirklich fast jeden Schritt von der Herstellung bis zur Verpackung besischtigen konnten.

Hier seht ihr wie die Sojasoße durch diese Maschine in die Flaschen abgefüllt wird.

 Große Container (mit Sojasoße?)
 Und wie schon zum letzten Klassenausflug wurde wieder gesungen, diesmal mit richtigem Karaokebildschirm. Ich konnte natürlich kaum etwas lesen, aber ab und zu konnte ich doch mal einen Satz mitsingen.
Die chinesische Schrift ist echt um einiges schwieriger als die Kommunikation über die Sprache, deshalb ist es schön auch dort einige Fortschritte zu bemerken.

An diesem Tag bin ich sehr müde nach Hause gekommen! Und bin einfach nur ins Bett gefallen und habe bis zum nächsten Tag, Samstagvormittag durchgeschlafen. 
Schön, wenn man sich einfach mal so gehen lassen kann. Den Vormittag habe ich ein paar Haushaltdinge erledigt, Plan für die nächste Woche gemacht, Emails geschrieben, aufgeräumt, Wäsche gewaschen und so weiter.
Und gegen Mittag haben mich meine Eltern mit zur Metro genommen, sie sind zum Einkaufen und zur Universität gefahren, denn ich hatte ein Treffen mit Rotary - eine Übungsstunde für einen Tanz, den wir zu Weihnachten mit den anderen Austauschschülern aufführen müssen.
Es ist war nicht so toll, dass ich das hier jetzt unbedingt ausführlich beschreiben muss.
Ich gehe nachher nochmal ein bisschen näher auf das Thema Rotary hier ein.
Nach der ganzen Tanzstunde habe ich mich mit meiner Mama getroffen zum Schaufenster - Shopping. Ja, ganz richtig, denn am morgigen Tag hatte ich mich auch mit meiner Freundin aus der Schweiz zum bummeln verabredet, deshalb blieb uns am Samstag nur das Schaufenster - Shopping :)
Allerdings hat sie mir ein paar gute Geschäfte gezeigt und wir haben uns viel unterhalten, was ich sehr genossen habe. Mein Chinesisch wird besser und besser, ganz tiefgründig kann man dabei sicherlich noch nicht gehen, aber ihr Englisch ist auch gut, deshalb konnten wir trotzdem auch tiefgründiger gehen. So habe ich viel über sie gelernt und sie über mich, was es möglich gemacht hat, dass wir nun eine sehr vertraute Basis haben und ich eine weitere Person gefunden habe, mit der ich bei Problemen reden kann.

Sonntag habe ich mich wie schon gesagt mit meiner Freundin aus der Schweiz zum Bummeln verabredet.
Vorher allerdings haben wir zusammen in einem vegan - vegetarsichen Restaurant Mittag gegessen. Und ich habe mich sehr darüber gefreut, noch mehr, weil meine Freundin mich als verschobenes  Geburtstagsgeschenk eingeladen hat :)
Und es war sehr lecker - und ich komme in meiner Restaurant - Vegan - Liste gut voran :)

 Mit Spinat gefüllte Teigbonbons
 Kichererbsensalat
 Glutenfreie Gnocchis mit Tomaten - Rosmarin - Pesto
 Spinatnudeln mit Tomatensoße

Auch wenn ich das Essen in Taiwan liebe, war das echt herrlich europäisch :)

Hier noch meine Einkäufe:
 Zwei Cordhosen für den Winter
 Und ein langer . . . wie nennt man das . . . Cardigan?
Im Winter zum Unterziehen.
 Ich liebe kleine Details.

Danach kommt der Teil des Abenteuers:
Ich habe meiner Gastmama erzählt, als ich ihr meine Einkäufe gezeigt habe, dass ich kleine Details sehr mag.
Sie hat genickt, kurz darauf hat sie gestutzt und gemeint, dass ihre kleine Schwester so ein kleines Geschäft hat, in der kleine handgemachte, detailgetreute Dinge verkauft werden. Und wir haben probiert einen Tag nächste Woche zu finden, an dem wir diesen Laden besuchen können, doch wir haben keinen gefunden.
Und dann?
Wir sind dann einfach nach dem Abendessen nochmal losgefahren. Ist das verrückt? Abends Sonntag um 19:30 Uhr? Hier haben die Läden so gut wie nie geschlossen, an keinem Wochentag.
So hat mein Papa uns gefahren und ich, meine kleine Schwester und meine Mama sind dann einfach zu diesem kleinen Laden gefahren uns haben ihre Schwester besuscht.
Und ich habe mich in den Laden verliebt!
Wir haben bestimmt eine Stunde darin verbracht und mein Papa hat geduldig draußen im Auto gewartet, weil es keinen Parkplatz gab.
Zur Überraschung hat meine Mama die kleinen Stücke für mich und meine Schwester bezahlt -
很高心 !!!


 Die kleine lilane Jacke ist ein Schlüsselhalter, innendrinne sind kleine Haken und die Jacke kann man dann zuknöpfen und die Schlüssel sind gut verpackt.
Jaja Paul, wen habe ich hier nicht vergessen?
(Ruffie und Naruto zusammen - gefällt dir das?)

Das Abenteuer war noch längst nicht vorbei als wir um 21:10 Uhr aus dem Laden hrauskamen.
Meine Gastschwester hat mich gefragt, ob ich schonmal Crushed Ice gegessen habe. Ich weiß, dass dieses in Taiwan sehr berühmt ist und dass es im Sommer mit Mangosoße serviert wird. Also fein geschreddertes Eis mit pürierter Mango (Mama, wenn ich wieder in Deutschland bin, mache ich das für uns mit meinem Vitamix!!!).
Meine Gastmama meinte dann nur: "Das ist jetzt eine ganz ernste Frage: wollen wir es probieren? Jetzt?" Und als Austauschschüler sagt man niemals Nein. 
So kam es, dass ich das erste Mal traditionelles Crushed Ice (allerdings die Winterversion mit roten Bohnen) um 21:45 Uhr an einem Sonntagabend mit meiner verrückten Gastfamilie im bekanntesten Lokal für dieses Eis probiert habe.

 Lange Schlange, selbst Sonntagabend.


 Nein, das sieht nicht ecklig aus, das ist geschreddertes Eis mit einer Soße aus roten Bohnen und Erdnüssen auf der einen Seite und die andere Seite ist mit einer Soße aus Bohnen, Nüssen, aber auch diesen traditionellem taiwanischen Jelly, wovin ich persönlich aber nicht so ein Fan bin.
 Soviel zum Abendteuer.

Meine Woche war zwar schön, aber ich habe aber auch leider mit mir selbst über einige Themen käpfen müssen.

1. Rotary - das ist hier etwas anders.
Neben diesem ganzen Tauschproblem, wo ich meinen Rotaryclub wirklich liebe, dass sie so eine gute Lösung gefunden haben, habe ich jetzt im Dezember jeden Wochenende eine Rotaryveranstaltung. Selbst zu Weihnachten, wo ich in der Schule eigentlich eine Weihnachtsfeier gehabt hätte und am Wochenende danach, wo meine Familie eigentlich eine Nachtwanderung durch die Berge geplant hatte.
Und außerdem steht das Wochenende bevor, wo ich wieder nach Khaosiung fahren wollte, was seit eineinhalb Monaten geplant war.
Doch weil ich jetzt diese Tanzproben habe (superblöder Tanz zu superblöder Weihnachtsmusik), wurde das für mich abgesagt.
Ich weiß nicht, ob ich jetzt jedes kleine Detail darüber erklären will, wie Rotary sich hier manchmal ziemlich in den Vordergrund stellt.
Zumindestens habe ich gelernt, auch nachzugeben, aber trotzdem am Ende sagen zu können: "Ich habe es wenigstens probiert".
Und das ist am Ende das, was ich gelernt habe. Ich habe es wenigstens probiert. Lasst euch nicht unterkriegen, stampft aber dabei nicht mit den Beinen wie wild auf dem Boden herum, sondern bleibt ernst, behaltet euren Stolz, sodass ihr am Ende sagen könnt:
"Ich habe es wenigstens probiert und ich habe meinen Stolz behalten. Keiner kann sich über dich stellen, keiner ist unter dir, alle sind irgendwo gleichgestellt. Bleib bei dir und zeige, dass du einen Wert hast."
Vergesst das niemals. Am Ende hat man es immer versucht. Aber das Versuchen ist wichtig!

2. Immer wieder, wenn ich zu Web gehe um meine Mails zu checken, bleibe ich manchmal an den Nachrichten hängen.
Was mich in letzter Zeit besonders traurig gemacht hat, ist der Konflikt zwischen den Deutschen und den Islamisten, der gerade in Dresden und an anderen Orten in Deutschland verbreitet ist.
Ich weiß, dass ich die aktuelle Situation sicherlich nicht so gut beschreiben kann, weil ich nicht vor Ort bin. Es macht mich aber trotzdem traurig immer wieder von solchen Konflikten zu hören.
Hier in Taiwan lerne ich, NICHT zu urteilen über andere Kulturen oder Handlungsweisen oder sie zu akzeptieren, auch wenn es mir schwerfällt. Man weiß nie, was die andere Seite für einen Hintergrund hat, was für Beweggründe Dinge zu tun oder nicht zu tun.
Es ist doch ein bisschen wie, wenn man als Austauschschüler in eine Gastfamilie kommt. Zwei verschiedene Kulturen stoßen aufeinander, die eine Seite kennt nichts über das Land, braucht Zeit um sich anzupassen, braucht Hilfe. Die andere Seite versteht nicht immer die ungewohnten Handlungsweisen des neuen "Mitbewohners" und muss die Hilfe anbieten, oder probieren zu helfen, wenn um Hilfe gefragt wird.
Ich will jetzt nicht von Schmetterlingen auf einen bunten Frühlingwiese reden. Aber ich habe das Gefühl, das Taiwan eines der friedlichsten Länder auf der ganzen Welt ist. So kann ich meinen Geldbeutel irgendwo liegen lassen oder meinen Rucksack im Schwimmbad frei abstellen, wo ich will, und am nächsten Tag steht er immernoch da oder ist höchstens an der Kasse angegeben worden.
Warum das so ist? Ich habe keine Ahnung.
Aber auf der anderen Seite frage ich mich, warum urteilen so viel leichter ist, als tiefer zu denken. Warum nicht probieren JEWEILS die andere Seite zu verstehen. Vielleicht ist es schwieriger, weil man dann erstmal seine festgefahrenen und vorgelebten Gedankengänge überdenken muss und dann erst zu einer Änderung kommt.
Aber wie gesagt, es macht mich sehr traurig. Ich lerne hier so viel in Taiwan, eben auch andere Kulturen anzunehmen, vorallem mich selbst anzunehmen. Wenn man sich selbst annehmen kann, fällt es oft auch leichter andere, fremde und neue Dinge anzunehmen.
Ich will das so mal im Raum stehen lassen.

Das war's für heute erstmal.
Fühlt euch umarmt
eure Anna





Montag, 1. Dezember 2014

Tag 99 - und ein neue Familie

Hallo ihr Lieben,

Ja, heute ist Tag 99, heute ist zwar schon Montag von einer neuen Woche, aber gestern Abend war ich total müde, ich bin nach Hause gekommen und bin, als ich mein Bett gesehen habe, einfach umgefallen und habe geschlafen, geschlafen, geschlafen - aber ich war glücklich.
Tag 99 klingt doch ein bisschen spannender als Tag 100, oder?
Wie auch immer...

Wie geht es euch bei -2°C und Weihnachtsbeleuchtung?
Wir hatten am Sonntag 27°C, strahlenden Sonnenschein, sozusagen gegen Abend perfektes Grillwetter, ab und zu wehte ein kühles Lüftchen und ich hatte meine kurzärmlige Sommerbluse an --> und heute habe ich mein erstes Kalenderfensterchen aufgemacht - Danke an Mama und Oma :)

Die letzte Woche war ereignisreich und voller neuer Dinge.
Speziell das Wochenende hat mich auf Trab gehalten, aber alles von vorne:

Ich will euch zunächst ein paar Bilder vom Dienstag zeigen.



. . . denn ich habe meinen beiden Freunden mal gezeigt, wie man ein gesundes Nutella macht. 
Ja, auch hier in Taiwan gebe ich meine Essgewohnheiten nicht auf :)
Aber es ist gut angekommen - und meiner süße Thailandfreundin, die süße Desserts hier sehr zu lieben gelernt hat, war sehr glücklich über diese kleine Abwechslung zur Mittagspause :)
Ihr seht, wir haben hier eine gute Zeit :)

Am Mittwoch hatte meine Schule wieder einen großen Test, deshalb sind wir drei Austauschschüler unserer Schule mit den drei Referendaren (wie das letzte Mal), diesmal in das Taiwan Museum gegangen.
Es ist eine Ausstellung über die Ureinwohner in Taiwan, ihr Leben, ihre Kleidung, ihre Feste und so weiter und ich fand es sehr interessant, zumal ich ja am Wochenende davor in Hualien schon ein bisschen was darüber gelernt hatte.

 Unsere Schulaustauschschüler:
Russland, Thailand und Deutschland
 Taiwan Museum
 Ein traditionelles Gewand aus einer Art Leinen

 Mir persönlich haben die Stoffe und die Gestaltung der Stoffe wirklich sehr gut gefallen!
 Und die Perlen werden auch über dem Feuer in einem bestimmten Verfahren hergestellt. . .
 . . . heutzutage werden die Perlen aber auch "modern alltäglich" im Alltag verwendet, wie z.B. hier in Möbeln oder Badgarnitur.
 Das ist die traditionelle Kleidung, die der Bräutigam und die Braut auf einer Hochzeit der Ureinwohner tragen.
 Nach dem Museum sind wir noch auf einen traditionellen Markt gegangen.
Ich liebe ja diese Märkte, wie ihr in den letzten Blogeinträgen sicherlich schon gemerkt habt.
Hier gab es einen Stand, an denen wir uns mua ji gekauft haben. Das sind diese klebrigen Reissäcke, gefüllt mit roten Bohnen, Erdnuss - oder Sesampulver - die Konsistenz ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich mag es!
 Und ich habe Mandeltee probiert.
Eigentlich sind es nur gemahlene Mandeln, aufgegossen mit heißem Wasser, aber sie sind so fein gemixt, dass es die Konsistenz eines Getränks hat, schmeckt wie Mandelmilch :)
Und gemeinsames Mittagessen :)

Danach hat mich mein Gastpapa abgeholt und wir sind zusammen zur veganen Bäckerei gefahren, denn ich hatte ja schon im letzten Eintrag angekündigt, dass ich etwas in dieser Richtung plane.
Der Inhaber war sehr nett, er hat mir veganen Ananaskuchen (der hier ja traditionell mit Ei hergestellt wird) und kleine Schokobrötchen zum Probieren gegeben.
Das mit dem Arbeiten klappt vielleicht leider nicht, weil sie schon viele Leute haben, aber es gibt eine andere vegane Bäckerei in Taipei, die Backkurse anbietet. Außerdem hat er mir angeboten, dass ich jederzeit kommen kann und dass er mir bei einem neues Rezept die Aufgabe gibt, es nachzumachen und auszuprobieren, ob es gut ist oder was man verbessern kann.
Ist doch cool, oder?
Außerdem ist jeden ersten Sonntag im Monat ein großes veganes Buffet im Daan-Park in Taipei, was ich bestimmt nicht versäumen werde, mal sehen was sich machen lässt :)
Trotz dass das mit der Freiwilligenarbeit nicht geklappt hat, bin ich ein bisschen in meinem Plan voran gekommen und war sehr glücklich mit dieser Lösung!

Gegen Abend habe ich mich mit meiner Gastmama in einer Pizzeria getroffen und mein Gastpapa ist auch noch spontan dazugekommen, denn eigentlich musste er arbeiten, aber weil das ein "besonderes Essen" war, hat er das meeting verschoben.
Es war "besonders", weil ich ja am Samstag meine Familie wechseln musste, deshalb haben wir zu diesem Anlass nochmal auswärts gegessen. Meine Gastschwestern waren leider noch in der Schule.
Aber es war auch schön nochmal mit meinen Gasteltern zu plaudern über meine ersten drei Monate und einfach nur die gemeinsame Zeit zu geniessen.
Sie waren wirklich eine perfekte erste Familie, ich weiß ich habe das schon so oft geschrieben, aber ich kann es nur immer wieder wiederholen und ich bin froh, dass ich gegen Ende meines Austauschjahres nochmal für drei Wochen zu ihnen zurückgehe.

Am Donnerstag musste ich auch nicht in die Schule gehen, weil meine Schule einen weiteren Test hatt.
Stattdessen ging es mit meiner Chinesischklasse in den Zoo.
Ehrlich gesagt, habe ich diese Aktivität nicht gerade mit offenen Armen begrüßt. Ganz ehrlich, es ist wie eine Ausstellung nur mit lebendigen Lebewesen. Und im Aquarium, wenn man gegen die Scheibe klopft (wie auf einem iPad) und der Fisch nicht reagiert, dann ist es gleich langweilig.
Aber ich bin kein agressiver Mensch und ich missioniere auch niemanden. 
Deshalb habe ich es einfach als gemeinsame Zeit mit den anderen betrachtet und das war auch in Ordnung - und es war trotzdem sehr lustig:






Und wisst ihr, wo ich danach war?
Ich habe mir nämlich vorgenommen, die vegane Szene hier ein bisschen ausfindig zu machen:
dazu habe ich diesen Blog hier gefunden, der das alles in Taipei sehr gut zusammenfasst:
http://bluesomeone-english.blogspot.tw/
Und deshalb ging es nach dem Zoobesuch für mich in dieses kleine Bistro, was sich speziell auf die Sojamilch spezialisiert hat, es gibt sogar Eis aus Sojamilch, aber an diesem Tag war die Eismaschine leider kaputt.
Dazu muss ich sagen, dass Sojamilch hier anders ist als in Deutschland. Einmal schmeckt sie für mich 100x besser und sie ist traditionell, das heißt es wird hier nicht als irgendein "Ersatz" angesehen, sondern eben als alltäglich.

 Kürbissojamilch - Smoothie. Habe ich vorher noch nie gehabt, deshlab habe ich es ausprobiert und war begeistert!
 Ein Sandwich mit Salat, Cranberries im Teig, Süßkartoffelcreme und Sprossen.
 Und meine drei Begleiter, denen es ebenfalls sehr gefallen hat.
Und eine Anna, der es schmeckt :) 
Test bestanden, mal sehen, was ich als nächstes teste :)

Weil wir nach dem Mittag dann frei hatten, wussten wir nicht wirklich, was wir machen sollten.
Wir wollten nicht wirklich nach Hause, deshalb musste eine Idee her. Nach langem Diskutieren und Hin und Her, hatte unser Russe die Idee wandern zu gehen. Ja, ihr habt richtig gehört:
da Taipei von Bergen umschlossen ist, gibt es hier nahgelegene Wanderwege, mehr oder weniger lang, die von einem Ende zum anderen Ende nach Taipei führen, immer am Stadtrand entlang.
Also warum nicht zustimmen?
Einfach mal spontan wandern gehen war echt die coolste Idee, die uns kommen konnte :)
Aber ehrlich, wir haben uns dann wirklich auf den Weg gemacht und mit der MRT zum "Fuße des Berges" gefahren.
10 Minuten normaler Weg, 30 Minuten steil Treppen steigen. Verschwitzt und außer Atem kamen wir dann oben an, doch dann hatte man echt einen wundervollen Ausblick! Leider war es bewölkt, doch nicht minder schön anzusehen.
Taipei hat doch immer wieder Überraschungen zu bieten.





 Auf dem Heimweg habe ich mich dann (allerdings dann allein) entschlossen, spontan nochmal durch die Straßen zu schlendern, einfach weil es mir an diesem Tag so gut ging.
Und dabei habe ich diese kleine Einkaufsgasse gefunden.
Dort gibt es kleine Läden, wo alle Sachen, die man kaufen kann handgemacht sind.
Es ist zwar nicht alles taiwan-typisch billig, aber es hat eine gute Qualität und sieht auch echt süß aus.



Ich bin froh, dass ich so nach und nach die Orte in Taipei finde, die mir gefallen. Kleine Oasen, wo ich mich wohlfühle und wo ich schnell hinkomme.
Anfangs bin ich etwas untergegangen in dem Großstadttrubel, doch mitlerweile komme ich nach und nach mehr klar.
Das macht mich echt glücklich - ich werde zu einem Teil der Stadt.

Der Freitag verlief eigentlich ganz normal bis auf abends, als ich meine Tasche gepackt habe.
Denn Samstagmorgen ging es dann an den Familienwechsel.

Ich habe definitiv mehr Zeug im Vergleich zu als ich hergekommen bin.
Da geht es zum nächsten Tausch oder zum Abflug nächstes Jahr ans große Aussortieren, oder?

Ich muss sagen, dass ich sehr traurig war zu wechseln, weil ich meine erste Familie echt lieb habe!
Aber ehrlich gesagt, und was ich ganz ehrlich meine: 
es hat nicht lange gedauert, da habe ich meine 2. Gastfamilie ebenfalls ins Herz geschlossen.
Nach dem Wechsel haben wir meine kleine Schwester zur Englischklasse gefahren, meine Mama musste zur Weiterbildung, deshalb bin ich mit meinem Papa zum Supermarkt gefahren. Denn ich brauchte noch ein paar Dinge für die eranstaltung mit Rotary am Sonntag - Country Fair, wo jedes Land sein Land mit traditionellen Dingen vorstellen musste und ich wollte einen Kartoffelsalat machen.
Zumindestens fand ich es super lieb, dass wir das gleich erledigt hatten und mein Papa mir beim Einkauf geholfen hat.
Danach ging es dann zur Wohnung.
Hier ein paar Details:
ich lebe jetzt in einem Department Store, das ist ein Areal, in der viele Familienhäuser zusammenstehen, es gibt auch ein Familienzenter mit verschiedenen Freizeitangeboten, es liegt an einem See, der wunderschön ist und es hat einen eigenen Shuttlebus, der einen zur MRT Station bringt. Was blöd daran ist, dass man den Bus unbedingt pünktlich erreichen muss, denn gegen Abend kommt er nur noch einmal pro Stunde.
Aber sonst fühle ich mich dort sehr wohl. Es liegt auf der anderen Seite von Taipei, ist aber näher an meiner Schule gelegen, sodass ich jetzt immer ein bisschen länger schlafen kann.
Meine neue Familie hat eine kleine Schwester, Mama, Papa, Oma und Opa. Die Oma kocht immer und sie kocht verdammt gut :)
In dieser Familie sagen wir alle "Große Schwester", "Kleine Schwester", "Oma", "Opa", "Mama", und "Papa" zueinander. Am Anfang fand ich das etwas komisch, doch jetzt finde ich es ganz angenehm, obwohl ich erst meinen zweiten Tag da bin.
Ich habe mich hier sehr schnell eingelebt. Meine erste Familie wird immer meine erste Familie bleiben und ich habe sie sehr lieb, aber ich bin froh, dass ich in meiner zweiten Familie auch so gut aufgenommen wurde.
Ich habe mein eigenes Zimmer und mein Bruder ist jetzt Austauschschüler in Amerika, deshalb wohne ich in seinem Zimmer.
Ich konnte ganz in Ruhe meine Sachen auspacken, bin ganz in Ruhe angekommen und am Andend haben ich und meine kleine Schwester den Kartoffelsalat gemacht.
Das hat echt Spaß gemacht. Ich mag sie wirklich gerne :)


 Anna braucht Platz beim Kochen :)

Meine erste Nacht war kurz, denn am nächsten Morgen hieß es um 5:30 Uhr aufstehen, denn wir musste schon 7:00 Uhr am Veranstaltungsort sein.
Okay, ich erkläre nochmal genau, was der "Country Fair" genau ist.
Jedes Jahr gehen Austauschschüler in die Welt, so auch aus Taiwan. Für die zukünftigen Austauschschüler, so auch meine große Schwester meiner 1. Familie, wird ein kleiner Markt aufgebaut, wo die Austauschschüler, die jetzt in Taipei leben, ihr eigenes Land vorstellen. Eben damit sie schauen können, welches Land ihnen gut gefällt.
Dazu können sich die Austauschschüler untereinander auch wieder besser kennenlernen, traditionelles Essen der anderen Länder probieren, andere Musik hören, Kleidung sehen u.s.w.
Ich muss sagen, dass ich mich dafür echt ins Zeug gelegt habe.
Mama hat mir ein "Mensch-ärgere-dich-nicht" und Haribo und noch viele andere Dinge aus Deutschland geschickt, dann habe ich deutsches Brot und Brezeln in der deutschen Bäckerei gekauft und natürlich der Kartoffelsalat. Die anderen haben Musik, Pins, und kleine Computerpräsentationen mitgebracht. 
Ich muss sagen, dass ich sehr zufrieden war mit unserem Stand!
Und es wollen so viele Taiwaner nach Deutschland, bestimmt die Hälfte der Bewerber, das ist unglaublich! Auch meine große Schwester aus meiner 1. Gastfamilie.
Das wäre super. Auch wenn sie nicht in meine Stadt kommt, werde ich sie besuchen und ihr helfen, so wie ihre Familie mir geholfen hat und wir spaßen immer ein bisschen darüber, dass wir zum 27. Juni zusammen zurück nach Deutschland fliegen.
Mal sehen was passiert :)
Aber hier die Bilder von unserem "Country-Fair"

 Deutschland :)
Neben Dänemark.
Und ein Amerikaner, der peinlicherweise gegen uns im "Mensch-ärgere-dich-nicht" gewonnen hat.
 Spanien
 Amerika
 Brasilien
 Tschechien

 Ich habe auch meine Ohrringe verteilen können, die ich schon in Deutschland gemacht habe.
 Brot, Spiele, Reiseführer, Schmuck . . .
 . . . Kartoffelsalat, Pins. Leider gegen Ende alles ein bisschen durcheinander geraten :)
 America again
 Kananda
 Ungarn
 Japan
 Kanada, Brasilien, Kanada
Dänemark

Alles in allem ein gelungener Tag.
Aber gegen Abend war ich echt hungrig und totmüde.
Müde, weil ich den ganzen Tag rumgerannt bin und Fragen beantwortet und Dinge erklärt habe. Zudem habe ich Chinesisch, Englisch und Deutsch im ständigen Wechsel geredet, dass ich gegen Ende des Tages Deutsch mit den Taiwanern, Englisch mit den Deutschen und Chinesisch mit den Austauschschülern geredet habe oder eben alles gemischt.

Bei euch ist jetzt Beginn der Weihnachtszeit.
Aber wie schon gesagt, spüre ich nichts was damit zu tun hat.
Trotzdem bin ich sehr glücklich und ich bin schon gespannt auf meine nächste Zeit, welche Erfahrungen ich mit meiner neuen Familie mache.

Seit ihr alle lieb gegrüßt und eine schöne Adventszeit für euch wünscht
Anna