Mittwoch, 17. September 2014

Alltag in Taiwan

Liebe Familie, Freunde, Bekannte und alle anderen Blogleser,

wie versprochen kommt heute der Eintrag über den Alltag in Taiwan. Oder über das, was mir bisher aufgefallen ist.
Die kleine Dinge, die sich von Deutschland unterscheiden.

Hygiene & Gesundheit
  • viele Leute tragen hier einen Mundschutz (wie man auch oft auf Bildern von asiatischen Ländern sieht). Das heißt aber nicht, dass so viele eine schlechte Krankheit haben, sondern weil sie sich entweder vor schlechter Luft schützden wollen. Oder dass sie niemanden anstacken wollen, auch wenn sie nur ein bisschen erkältet sind. Diesen Mundschutz gibt es in allen möglichen Farben, Formen und Größen zu kaufen
  • man sagt hier NICHT "Gesundheit", wenn jemand niest (also auch nicht auf Chinesisch versteht sich). Das ist hier einfach nicht üblich.
  • Schmatzen, schlürfen, rülpsen oder Nase hochziehen ist hier absoulut normal. Sind ja schließlich alles natürliche Bedürfnisse, oder?
  • oh...und reden mit vollem Mund ist auch okay. Die Pause, wo man erstmal warten muss bis der andere runtergekaut hat, bevor er antwortet, ist viel lästiger.
  • die Dusche benutzt man für gewöhnlich immer abends, weil man durch die Hitze ja tagsüber schwitzt und man geht halt nicht schmutzig ins Bett.
  • Viele haben schlechte Zähne, was ich mir aber bis jetzt noch nicht erlären kann.
  • Ihr habt das doch bestimmt schon öfter gesehen, wenn die Männer am Hinterkopf Haare verlieren, wenn die älter werden und dann entsteht da so eine kahle Stelle. Hier sehe ich ab und zu auch mal eine junge Frau, bei der das so ist. Kann ich mir aber auch nicht erklären
  • komischerweise habe ich nicht als einzige das Gefühl, dass die Einheimischen mehr schwitzen als die "Ausländer" oder Touristen oder eben "Nicht-Einheimischen". Kann ich mir auch nicht erklären, ist aber so.
Essen & Trinken
  • hier isst man jeden Tag Reis und mindestens ein mal am Tag
  • überhaupt habe ich das Gefühl, dass man hier traditionell sehr viel Gemüse isst, aber auch jegliche Art von Bohnen, Tofu und sehr viel grünes Blattgemüse. Aber auch Süßkartoffeln, Sesam und sehr viele Arten von Pilzen! Nicht-Vegetarier natürlich auch sehr viel Fisch und auch Fleisch. 
  • Und wenn Fleisch gegessen wird, dann wird gibt es auch den Darm des Schweins oder Hühnerherzen oder Schweinefüße oder Schweineohren, zumindestens wird kaum was vom Tier weggeworfen (es gibt auch Schweineblut-Kuchen)
  • Dennoch schwabbt das westliche Essverhalten langsam auf Taiwan zu, wenn es nicht sogar schon ziemlich weit vorgedrungen ist. Hier gibt es zwar viele McDonalds, Burger King und KFC's, doch auch in der Cafeteria werden Hot Dogs, Hamburger & Co als Hauptauswahl verkauft
  • Das mit der Laktoseintoleranz ist ein Gerücht und Vorurteil. Es gibt hier sehr viel Milch und auch sehr viele Sorten davon zu kaufen
  • Brot ist hier eher aus Weißmehl (Toastbrot) oder eben süß, weil es mit Schokolade, Nüssen oder getrockneten Früchten gefüllt ist
  • es wird extrem viel schwarzer und grüner Tee getrunken. Aber besonders auch der traditionelle Oolong-Tee. Nur stellt man ihn vorher ca. 5 Std. in den Kühlschrank
  • Die haben hier die Verarbeitung von Tofu echt super drauf, es gibt tausende von Arten. Es gibt den traditionellen taiwanischen "Stinky Tofu", der wirklich stinkt, aber mir schmeckt (ist aber Geschmackssache), es gibt alle Arten von Suppen, angefangen von der einfach Miso-Suppe bis hin zur süßen "do hua" (süße, kalte Suppe mit Erdnüssen und Seidentofu), Tofu-Eis, Tofu in jeder möglichen Konstistenz, karamellisierter Tofu, natürlich Sojamilch. Ach, die können hier so ziemlich alles aus Tofu machen.
  • Wasser niemals aus der Leistung trinken! Erst wird es gefiltert, dann abgekocht. Zum Zähneputzen und Duschen reicht es aber allemal.
Verkehr
  • die Ampeln zeigen immer die Sekunden an, wie lange es noch rot oder eben grün ist
  • am Zebrastreifen halten die Fußgänger an und warten bis kein Auto mehr kommt - nicht andersrum, wie gewohnt
  • man muss dem Bus zuwinken, damit er an der Haltestelle anhält (so ähnlich, wie man sich vorstellt, wie man ein Taxi in New York ruft oder sich zuwinkt)
  • die Busfahrer sind viel freundlicher. Sie sagen "Guten Morgen" und sogar "Danke", wenn man den Bus verlässt
  • man hupt viel und fährt gerne schnell (zumindestens mein Gastvater)
Sport & Bewegung
  • Schüler bewegen sich durch die lange Schule und zusätzliche Nachmittagsschule sehr wenig. Oft kommen sie erst 22:00 Uhr nach Hause. Auch wegen dem Wetter ist man hier eher weniger motiviert nachmittags eine Runde zu joggen und abends ist man zu müde. Und am Wochenende will man dann die Tatsache ausnutzen, dass man ausschlafen kann
  • dafür sieht man morgens die älteren Leute in den Parks und am Fluss Sport treiben, wie Fahrradfahren, Tai Qi, Qi Gong, Meditation, Yoga, dehnen und sogar joggen. Die Parks sind von um 6 bis um 8 teilweise echt voll, weil es in diesen zwei Stunden noch nicht so heiß ist.
  • ich habe noch keine alten Leute mit Krampfadern gesehen
  • es gibt hier viele Klappfahrräder. Und es gibt u-Bikes - das sind Fahrräder, die man jederzeit benutzen kann, aber an einer anderen u-Bike-Station wieder abstellen muss. Man braucht natürlich eine Art "Fahrkarte" um sie benutzen zu können
  • es gibt viele "Outdoor-und-wandern-und-Campingbedarf-Läden"
Schule
  • Wer sein Mittagessen mit in die Schule nimmt, transportiert es in einer kleinen silbernen Metalldose, die dann gegen 10:00 Uhr in den Ofen im Klassenzimmer gestellt wird, damit das Essen warm wird.
  • Für diese Dose und die Trinkflasche gibt es meist eine eigene kleine Tasche (siehe bei mir rote Tasche auf dem Foto)
  • die Trinkflasche kann jederzeit in einem der vielen "Wasser-Nachfüll-Automaten" aufgefüllt werden. Diese Automaten kann man hier fast überall finden - also gibt es immer kostensloses Wasser.
  • unbedingt immer Klopapier mit aus's Klo nehmen! Die Schüler haben alle eine Art "Taschntücher-Box" unter ihrer Bank stehen. Und auf dem Klo das Papier dann nicht in die Toilette, sondern in den Eimer daneben werfen. Ach und Frauen müssen in ein Loch im Boden "zielen", wenn man es so beschreiben kann.
  • Zauberwürfel sind hier gerade genauso beliebt, wie in Deutschland (zumindestens war es in meiner Klasse so)
  • es gibt eine Schuluniform (fällt je nach Schule gut oder nicht gut aus. Wir sind meiner Meinung nach die Schlümpfe, aber ich glaube es hat mich noch ganz gut erwischt - siehe Foto)
  • jeder Schüler hat (/ist) eine Nummer - kommt mir nicht so schön vor, ist aber eben so (siehe Foto)
  • Klassenstäre: 40 - 50 Personen
  • lernende Schüler an Schule: 3000-4000
  • durch die große Klassenstärke wird auch oft ein Mikrofon benutzt im Klassenzimmer
  • die Schule wird hier immer nach der Schule von den Schülern selbst geputzt. Jede Klasse ihr eigenes Klassenzimmer und manche noch extra den Sportplatz, Hof und Fachräume. Auch die Fenster und Toiletten und Waschbecken werden geputzt und Pflanzen gegossen.
  • nach dem Mittag (30 Minuten) gibt es Mittagsschlaf, bei dem alle ihren Kopf auf den Tisch legen (30 Minuten)
  • manchmal legen die Schüler auch zwischendurch den Kopf auf die ank und schlafen einfach im Unterricht, ohne dass der Lehrer was sagt (sie kommen ja auch erst 22:00 Uhr nach Hause - siehe Stichpunkt "Sport und Bewegung)
Ja, ich denke das war's erstmal soweit. Es sind zwar nur kleine Dinge, aber dafür viele. Und die machen einen großen Unterschied zum Leben in Deutschland.


Meine Schuluniform. Für Sport haben wir zwei T-Shirts. Doch eigentlich habe ich kein Sport dieses Jahr (vorraussichtlich). Weil ich Sport immer Donnerstagvormittag habe und da findet gleichzeitig mein Chinesischunterricht statt.


Die Nummer des Schülers (die letzten beiden Ziffern) ist normalerweise auf die Uniform genäht. Ist bei meiner allerdings nicht so (trotzdem habe ich eine Nummer - ich bin die 40)


Schlaf nachholen im Unterricht ist nicht selten

Im Allgemeinen kann ich sagen, dass sich die taiwanischen Tennager nicht sonderlich von denen in Deutschland unterscheiden. Mädchen sind generell eher das reifere Geschlecht, aber sie haben ähnliche Interessen und verlieben sich genauso, wie wir auch (nur ist es durch die hohe Stellung der Schule oft etwas schwieriger). Und nein, Asiaten sehen nicht alle gleich aus :)

Wenn ihr noch Fragen habt, könnt ihr sie als Kommentar hinterlassen.

Bis Bald,
eure Anna

Samstag, 13. September 2014

Stichwort: Deutsche Bäckerei

Hallo ihr Liebe in der Ferne,

ich habe den Rest des Nachmittags "frei", deshalb nutze ich die Zeit, um euch zu berichten.

Heute ist Samstag - also Wochenende. Aber das heißt keineswegs ausschlafen. Heute ging es mit meinem Rotaryclub in die Berge zum wandern. Aber wie hier nunmal alles anders ist, ist das auch so mit dem wandern. Wir sind angekommen, waren vielleicht zwei Stunden unterwegs und dann ging es schon zum Mittag. Aber es hat sich trotzdem gelohnt, denn bietete sich eine wunderschöne Aussicht auf Taipei.
Eigentlich sind wir schon mit dem Auto auf den Berg gefahren, aber um zum Aussichtspunkt zu kommen, mussten wir noch einige Treppen steigen.
Eigentlich ist es in Deutschland so: wenn man einen schönen Platz zum aussruhen gefunden hat, oder sich eine Sehnswürdigkeit vorgenommen hat, dann plant man dafür viel Zeit ein.
Die Taiwaner schauen sich die Attraktion zwar auch an, aber eben nicht so ausfürhlich. Das heißt, nachdem ein Foto gemacht wurde, geht es weiter.
Natürlich kann ich nur berichten, was ich erlebt habe, aber in den meisten Fällen ist es so, denke ich.
Ich lasse zum Thema "wandern" einfach die Bilder erzählen:








Auf der Spitze des Berges hingen überall Hoola Hoop-Reifen rum. Auch waren dort überall ältere Leute, die Yoga gemacht, meditiert oder eben ge-hoola-hoopt. Wahrscheinlich kommen sie hier öfter her, um sich zu bewegen - gehen erst die vielen Treppenstufen und dann wird der Hoola-Hoop-Reifen geschwungen. Ich habe überhaupt das efühl, dass sich die älteren Menschen hier sehr fit halten, aber dazu kommt nächste Woche etwas.


Und es gab solche runden Steine, wie man auf dem Bild sieht, auf denen man seinen Rücken "entspannen" kann, indem er durch die Rundung des Steins eben sowas wie gedehnt wird. 
Das gefällt dir Mama, oder? 

Amerika, Deutschland und Taiwan (meine kleine Gastschwester)


Nach dem Mittagessen machte ich auf dem Rückweg von der Toilette eine Entdeckung (ein Satz, wie nur ich ihn hinbekomme). Ich sah ein Schild, auf dem stand "German Bakery", was soviel heißt, wie "Deutsche Bäckerei". Natürlich gibt es hier keinerlei deutsches Brot und vom Weißbrot hier wird mir leider schlecht.
Ein Mann, der auch von Rotary dabei war bestätigte mir, das nebenan gleich ein deutsches Backgeschäft ist, das ein Deutscher heir vor einigen Jahren eröffnet hat.
Es gibt ihn also wirklich diese Bäckerei!!!
Und ich war aus dem Häusschen als ich das Wort "Vollkorn" las. Natürlich habe ich ein kleines Brot mitgenommen.
Nebenbei gesagt, wurde in dem Laden auch Werbung für das Oktoberfest gemacht, das auch hier in Taipei vom 1. - 19. Oktober stattfindet.










Gestern habe ich übrigens meine Schuluniform bekommen. Nächste Woche lade ich mal ein Bild hoch.
Und außerdem war ich gestern in einem Tempel mit meinem Gastpapa. Er hatte mich von der Schule abgeholt, weil wir ein Rotary-Meeting hatten (übrigens fand das beim Italiener statt).
Auf jeden Fall, hat er mir etwas über die Religion erzählt. In Taiwan gibt es nicht nur Tempel zu Ehren von Buddha. Wenn es eine wichtige Person gab (oder sogar manchmal auch Tiere), die viel Gutes getan hat und die es verdient hat, auch nach ihrem Tot bedacht zu werden, wird zu ihrer Ehren ein Tempel errichtet. Diese Person gilt dann als ein Gott. Deshalb gibt es in Taiwan sehr viele Tempel. Je nachdem, was die Person in ihrem Leben Gutes getan hat, gibt es in Taiwan Tempel für die Liebe, Gesundheit, Beruf, Familie, Schule und noch ganz viel mehr.
Ich bin mit meinem Gastpapa dorthin gegangen, weil sein Vater vor einem Jahr gestorben ist. Er hat für ihn gebetet. Er hat auch gesagt, dass ich auch ausprobieren kann zu beten. Das habe ich auch gemacht. Danach wurden wir von Frauen, die dort mit blauen Umhängen rumstanden, mit speziellen Räucherstäbchen "eingequalmt". Damit unsere Worte auch die Menschen und die Götter erreichen, die wir geehrt haben.
Wenn in Taiwan jemand gestorben ist, dann wird zwar nicht gleich ein Tempel gebaut, aber in der Familie gibt es einen Platz, der den Verstorbenen  gilt.. Dieser Platz ist eine Art Regal oder Fenster im Wohnzimmer, in dem eine Buddhastatue steht und Räucherkerzen angemacht werden (so ist es zumindestens in meiner Gastfamilie).
Deshalb ist am Abend auch ein heiliger zu uns gekommen, die Familie hat sich vor diesem Regal versammelt und sie haben eine Art Ritual gemacht, bei dem der Mann gesungen hat. Und vor dem Regal standen viele Speisen, die dem Verstorbenen zur Ehre zubereitet wurden. Und es wurde gebetet. Ich habe das alles nur von hinten beobachtet, es war sehr interessant. Natürlich weiß ich nicht, ob es immer so abläuft. Aber in die asiatischen Religionen war ich immer schon interessiert. Ich möchte hier noch viel mehr darüber lernen und auch über die Geschichte und Traditionen.
So, das war's zum Thema Religion. Ich hoffe, es hat euch auch etwas interessiert.

Mir geht es hier sehr gut. Ich kann mir garnicht vorstellen, meine Gastfamilie schon im November zu wechseln (das ist bei Rotary so). Ich, die Französin und die Amerikanerin tauschen unsere Gastfamilien untereinander, das heißt, ich kenne meine Gastfamilien schon. Aber die anderen beiden wollen ihre Gastfamilien auch nicht tauschen. Zumindestens weiß ich, dass sie anderen Gastfamilien auch sehr nett sind. Aber noch ist September, also bleibt noch etwas Zeit.

Seit ganz lieb umarmt von
Anna

P.S. Übrigens gilt das mit den "28 Regentagen im Monat" nur für November bis Januar/Februar. Seitdem ich hier bin, hat es vielleicht nur vier mal geregnet.

Donnerstag, 11. September 2014

Tofu-Gasse und anderes. . .

Hallo ihr Lieben auf der anderen Seite der Welt,

ich wollte mich mal kurz melden, denn mir geht es gerade sehr gut. Und bevor ich am Wochenende wieder keine Zeit habe, schreibe ich heute ein kleine Meldung aus Taiwan.

In der Schule komme ich gut zurecht. Ich konnte am Mittwoch auch in die Bibliothek gehen, während meine Mitschüler sich wieder irgendeine Rede von "ich-weiß-nicht-was" anhören mussten. Das war schön. Ich habe Chinesisch gelernt und meinen Reiseführer gelesen. In der Bibliothek gibt es ca. 97% chinesische Bücher, aber 3% sind auch in Englisch, darunter "Gregs Tagebuch" und diverse Kochbücher.
Was die Schule in Taiwan betrifft "forsche" ich noch weiter zum Thema "cram school" nach. Viele meiner Mitschüler gehen nach der Schule bis spät abends in eine "Förderschule", um ihren Notendurchschnitt zu verbessern. Zumindestens wollen das ihre Eltern. Ich weiß nicht unbedingt, ob es sie belastet, sie sind es ja schließlich gewohnt. Ich habe auch viele getroffen, die gesagt haben, dass sie gerne zur Schule gehen. Das Thema interessiert mich hier sehr, ich werde weiter berichten.

Meine "Activities" habe ich jetzt auch gwählt. Das sind sowas wie Schulfächer, die man selbst wählen kann, die man aber nur aller zwei Wochen hat.
Ich habe als erstes "Kalligraphie", dann "Zeichensprache" (für Taubstumme - kann hier eh nichts sagen, also warum nicht einfach "Zeichensprache" lernen, außerdem ist es sehr interessant) und als drittes "Badminton".

Habe am Mittwoch übrigens mein erstes Erdbeben "erlebt". "Erlebt" steht deshalb in Anführungszeichen, weil ich so gut, wie nichts gespürt habe. Meine Klassenkameradin hat nur gesagt "Oh, das war gerade ein kleines Erdbeben." Tja, wie gesagt, ich habe nichts gespürt.

Hier seht ihr, was ich im Unterricht so mache:





Heute ist es mir passiert, dass ich im Unterricht eingeschlafen bin, ich habe sogar geträumt! Zur "Nap time" (Mittagsschlaf) schlafe ich mitlerweile auch richtig tief. Ich liebe "Nap time". Das wäre auch etwas für dich, Mama :)
Selbst im Chinesischunterricht mit den anderen Austauschschülern wäre ich heute fast eingeschlafen, einfach weil es total hypnotisiert, die verschiedenen Töne und Buchstaben und Buchstabenverbindungen vom chinesischen Alphabet immer wieder vor sich hin zu sprechen. Hypnose.

 Mein Stundenplan 
(allerdings habe ich Dienstag - und Donnerstagvormittag immer Chinesischunterricht mit den anderen Austauschschülern)



Ich habe ein Buch, wo ich jeden Tag eintragen muss, wo ich wann war und muss es dann von Rotary oder dem jeweiligen Lehrer unterschreiben lassen. Das machen nur die Austauschschüler. Auch muss ich jeden Tag früh und am Nachmittag in das Sekreteriat gehen, um eine spezielle Karte in einen Automaten zu stecken, wo mein Name draufsteht und wo dann abgedruckt wird, wann ich gekommen bin und wann gegangen.
Das ist etwas, was ich nicht so sehr mag, es ist als ob ich hier überwacht werde oder so.


Für meine vielen "Animee-und-Manga-Freunde" da draußen - das habe ich in meinem Englischbuch gefunden.

 
Ich bin jetzt offizieller Einwohner von Taiwan

Gestern war ich übrigens  mit meiner Gastmama beim Yoga. Ich sage nur soviel, dass das Yoga hier das richtige Yoga ist, also wirklich mit verbiegen und so weiter. Meine Gastmama und die anderen drei haben immer die Übungen von der "Vorzeigerin" gemacht und ich habe mich nur gewundert, wie sie ihre Ferse in ihre Armbeuge bekommen haben und das Bein dann an die Brust gezogen haben. Es war echt lustig, aber auch anstrengend. Im Nachhinein hat es mir aber echt gut getan und ich denke, dass ich es nächste Woche wieder mache. Mal sehen, vielleicht kann ich nach zehn Monaten auch einen Knoten in meine Bein machen, und zwar so, dass ich den Knoten auch wieder aufbekomme :)
Hab heute sogar Muskelkater, aber mein Rücken fühlt sich gut an.
 

Heute hatte ich einen richtig schönen Tag. Meine Klassenkameraden sind mit mir, der Thailänderin und der Amerikanerin (die Vegetraierin ist und gerne im Biomarkt einkauft) zu einem Ort gefahren, wo es eine straße gibt, wo überall Tofu verkauft wird. Ich nenne es hier die "Tofu-Gasse". Es gab "Stinky Tofu" und "scharfen Tofu" und es gab Tofu-Käsekuchen (wo anstatt dem Quark also Tofu genommen wurde) und Tofu-Pudding und Tofu-Eis. Um das Eis werden mich viele von euch beneiden, denn es war die Sorte Tofu-Matcha. GEIL-SUPER-LECKER sage ich nur!!!!
Sehr gut hat auch der Tofu mit gemahlenen Erdnüssen geschmeckt. 
Ich habe natürlich (noch) nicht alles kosten können, aber ich war dort nicht zum letzten Mal. 
Zumindestens haben die Taiwaner hier einiges drauf, was die Verarbeitung von Tofu angeht. Ich dachte schon, dass die "Tortenfüllungen" und "Mousse au chocolat" und "Bolognese", die ich in Deustchland mit Tofu gemacht habe schon viel wären, aber hier gibt es sogar süße Bohnensuppe mit Seidentofu (hatte ich in einem der letzten Einträge erwähnt). Wie gesagt, die haben es echt drauf!
Außerdem gab es dort auch Läden mit viel Naturkosmetik, was mich und die Amerikanerin natürlich sehr gefreut hat :)

Als ich abends nach Haue gefahren bin, war es schon dunkel und alles in Taipei hat geleuchtet. Der Taipei 101 war sogar grün beleuchtet, aber es sah stark aus! Ein bisschen, wie man sich New York vorstellt.






Ich trage übrigens immernoch nur ein weißes Shirt und dunke Jeans, weil ich meine Schuluniform noch immer nicht bekommen habe. Vielleicht bekomme ich sie ja morgen. . .

Wenn ich bald mal wieder einen Nachmittag frei habe, werde ich euch etwas zum Alltag in Taiwan schreiben und was hier die feinen kleinen Unterschiede zu Deutschland sind. Doch nun bin ich müde und werde ins Bett gehen.

Fühlt euch umarmt,
eure Anna

P.S. Ihr könnt den Blog jetzt übrigens auch kommentieren, immer am Ende eines Eintrags. Zumindestens hoffe ich, dass es funktioniert. Falls ihr mal Fragen habt oder etwas anderes :)







Montag, 8. September 2014

Über Zeit, Heimweh und Leben

Liebe Lieben in der Ferne,

in den letzten 4 Tagen ist wie immer viel passiert. Aber ich habe auch viel gedacht und überlegt, so wie ich es gerne tue. Nicht alle meine Gedanken waren immer der Gegenwart gerichtet. Nicht alle meine Sinne ganz in Taiwan, Taipei. Nicht alle meine Gefühle waren fröhlich und bei Laune und doch kamen sie immer aus dem Herzen.

Zuallererst möchte ich sagen, dass es mir Leid tut, wenn meine Einträge hier immer etwas lang sind. Aber ich liebe es zu schreiben und das hier ist der Weg mit euch zu kommunizieren, mit euch meine Erlebnisse und Gefühle zu teilen.
Und auch schreibe ich diesen Blog für mich. Neben Tagebuch, Souveniers und Terminplaner ist dies eine Erinnerung an all meine Zeit in Taiwan. Und die möchte ich so genau wie möglich festhalten.
Was ich hier lerne, lerne ich intensiv und mit voller Wahrnehmung. Deshalb sind meine Einträge so lang, weil es einfach alles aus mir raus kommt :)
Aber genug davon, ich habe sehr viele Bilder.

Wie ich glaube schon erwähnt hatte, war dieses Wochenende das "Mondfestival". Es wurde Mooncake verschenkt (der teilweise sogar vegan ist), die Leute laden sich gegenseitig zum Grillen ein oder es finden verschiedene Konzerte oder Festivals statt.
Zu diesem Anlass hat meine Klasse am Freitagnachmittag Mooncake gebacken. Da ich in meiner Schule in der Klasse bin, die sich auf "Lebensmittelverarbeitung" spezialisiert hat, habe ich aber eh jeden Freital zwei Koch- oder Backstunden.





Nachmittags hat mich mein Gastvater von der Schule abgeholt, weil wir mit der Familie gleich weiter in die Berge gefahren sind.
Nach einer "Horror-Tour" mit Vollgas auf der Überholspur und anschließend einer fast-sich-übergebenden Gastschwester kamen wir am "Berghaus" an, wo schon knapp 30 Leute auf uns warteten. Ich dachte, dass es eine kleine gemütliche Runde wird und wir alle zusammen gemütlich um ein Feuerchen sitzen. Aber in Taiwan sieht das Grillen etwas anders aus. Es war eine Catering-Firma da, die zwei Riesengrills aufgebaut hatte. Außerdem standen überall Menschen rum. Wie sich rausstellte waren das Geschäftspartner meines Gastvaters. Es war auch ein Franzose da, der Englsich sprechen konnte. Mit dem habe ich mich dann ein weilchen unterhalten. Auch hatte ich ein sehr schönes Gespräch mit meiner kleinen Gastschwester, die eigentlich erst zwölf ist, aber sehr viel reifer wirkt. Wahrscheinlich weil sie auch schon drei Monaten im Ausland war. Ich habe mit ihr über das "Anderssein" geredet und über Heimweh. Sie konnte mich gut verstehen und mir tat es gut, über die Dinge zu lachen, die ein anderer auch schon erlebt hat.

Am Abend gab es Karaoke und irgendwann gegen Mitternacht sind wir müde ins Bett gefallen.


Am nächsten Tag haben wir die anderen Gäste verabschiedet und ich bekam eine Sightseeing-Tour durch die Berge zu den bekanntesten Orten (also meine Gastfamilie ist rumgefahren und ab und zu sind wir ausgestiegen).
Hier seht ihr die Bilder:



Meine Gastmutter mag mein Gastgeschenk (Regenschirm mit dem Motiv von Dresden)




Ja, nichts für schwache Nerven






Am Abend gab es in meinem "Hof" eine kleine Show.
Es gab eine Bühne vor der viele Stühle standen und nach und nach trudelten die Bewohner des Hauses ein (ich nenne es immer Hotel, weil es wie ein Hotel aussieht).
Am Anfang habe ich nicht verstanden, was die Leute gequatscht haben und es war langweilig. Doch dann kamen drei junge Typen auf die Bühne und haben richtig gute Musik gemacht. Zwar auf Chinesisch, aber mir hat es gefallen, denn der Sound und die Melodie war echt super.
Da habe ich an Zuhause gedacht, weil es dort ja auch viele gibt, die solche Musik mögen. Ich war in Gedanken versunken. . . als mich plötzlich jemand anstupste. Ich blickte auf und sah jemanden, der nicht asiatisch aussah. Es war ein deutscher Kumpel, den ich im "Taiwan-Vorbereitungs-Camp" in Kassel kennengelernt hatte. Ich war so perplex und konnte erstmal garnicht glauben, dass da aufeinmal jemand Bekanntes vor mir stand. Es stellte sich sogar heraus, dass er nur zwanzig Minuten von mir entfernt wohnt (obwohl er in einem ganz anderen Rotary-Distrikt ist). Auch hatte er eine Austauschschülerin aus Amerika dabei, die nur wenige Blocks von mir entfernt wohnt. Und angeblich wohnen in Sanxia 6-7 weitere Austauschschüler. Er war bei dieser Show, weil ihre Gasteltern (von der Amerikanderin und seine) gut befreundet sind und die Amerikanerin eben fast nebenan wohnt und sie deshalb von der Show wussten. Ich war happy und wir quatschten eine ganze Weile. Es ist ziemlich komisch immer zwischen den Sprachen Deutsch, Englsich und Chinesisch zu wechseln - da kommt man manchmal durcheinander.







Am nächsten Morgen (Sonntag) hatte ich mir gewünscht, mal die "Memorial-Hall" gleich neben dem Taipei 101 zu besuchen.
Sie wurde extra für den Staatsgründer der Republik China errichtet und liegt umgeben von einem wunderschönen Park.
Innen sind einige Museen von Sammlungen von Kalligraphie, traditionellen Schmuckstücken und Geschirr, Schriftsammlungen und diverse Bilderausstellungen.
Wir waren da mit der Tante und Cousin meiner Gastschwestern.



Viele Gruppen treffen sich vor der Halle oder im Park, um dort ihre Freizeit zu verbringen. Jeden Morgen, wenn ich dort mit dem Bus zur Schule vorbeifahre, sehe ich auch Leute, die Tai Qi machen.



"Soldaten" bewachen die Statuen des Staatsgründers




Nicht selten in Taiwan . . . !







Im Park hat man eine gute Sicht auf den Taipei 101


Könnte da was runterfallen?






Zum Mittag gab es eine große Überraschung für mich, denn wir sind zu einem vegetarischen/veganen Restaurant gegangen. Es heißt "Loving Hut". Ich lass die Bilder für sich sprechen.
 

 Es gab sogar einen Nachtisch!


 Abends ging es noch zum Nachtmarkt. Dazu sind wir eine Stunde mit dem Zug Richtung Norden gefahren. Dafür lag dieser Nachtmarkt direkt am Hafen, das heißt ich habe das Meer gesehen. Der Nachtmarkt war spezialisiert auf Essen. Es gab alles mögliche. Und damit meine ich auch Hünerherzen, Tintenfische, Oktopusse, Schweineblut-Kuchen, u.s.w.
Ich habe mich mit Papaya-Salat (grüne Papaya, die wie Kraut schmeckt), Wassermelonen-Saft, Süßkartoffeln, Mais, Fruchttomaten und Mango zufrieden gegeben, was aber auch sehr lecker und sättigend war. Zu den Süßkartoffeln muss ich sagen, dass ich am Anfang dachte, dass es echte Süßkartoffeln sind ("Batate aus Südamerika, die es eben auch in Taiwan gibt). Aber mit "Süß" war gemeint, dass es einfach ganz normale Kartoffeln waren, die nur karamelisiert waren. Ich war zwar anfangs wegen der Zuckerkruste etwas verwirrt, doch es war trotzdem lecker. Wie gebrannte Mandeln, nur das innen eben keine Mandel, sondern eine Kartoffel war.
Und die Tomaten zählen hier übrigens zum Obst. Die Tomaten, die ich aß, enthielten eine Art getrocknete Plaumen innendrin. War sehr lecker!









Heute waren ich und die Thailänderin zum "Grillen" einer Klassenkameradin eingeladen. Heute war Montag und Feiertag (wegen dem Mondfestival).
Also habe ich mich heute früh auf den Weg gemacht bis ans andere Ende von Taipei. . . naja.
Dort erwarteten sie mich schon. Es stellte sich heraus, dass wir insgesamt neun Leute sein werden und aber vorher noch einkaufen gehen müssen. Okay. Das war okay. Es war echt lustig. Denn es stellte sich heraus, dass sie noch nie alleine gegrillt hatten und keine Ahnung, wo in dem Supermarkt irgendwas lag, was sie einkaufen wollten. Nach einer dreiviertel Stunde suchen stellte sich zudem noch heraus, dass wir auch noch einen Grill und Holzkohle kaufen müssen. . . aha. Tja, wie gesagt, es war sehr lustig.

Wir grillten übrigens im Wohnzimmer. Tja. . . wie vorhin schon erwähnt: Grillen ist hier sehr anders als in Deutschland. Seht selbst auf den Bildern.


Hühnerherzen gab es auch im Supermarkt


Marshmallows


Würste und Tofu


Das ist alles Reis! Ich esse hier übrigens so gut wie jeden Tag Reis. Einmal am Tag mindestens!



Tja, so sieht Grillen mal von der anderen Seite der Welt aus.


Marshmellows sind nicht so meine Welt. . . 



 Das gute alte Spiel "Wackelturm" - wer kennt es nicht?

So schön der Tag auch war: der Rückweg hat mich ein bisschen aus dem Gleichgewicht geholt. Denn leider fehlte Geld auf meiner MRT-Karte. Also bin ich zurück zum Convinience-Store gelaufen und habe erstmal 300 TWD aufgeladen. Das sind ca. 10 Euro.
Dann nahm ich die falsche U-Bahn, dann konnte ich meine Bus-Haltestelle nicht finden, dann war der Akku von dem Notfall-Handy meines Gastvaters leer, dann war auch noch viel Verkehr und ich kam eine dreiviertel Stunde zu spät. Ich war unglücklich und habe ich mich so oft entschuldigt. Meine Gasteltern haben das locker genommen, dass ich zu spät war. Sie haben gesagt, dass es nicht so schlimm ist und haben mich getröstet. Sie haben mir sogar gleich das Geld für die MRT wiedergegeben.
Ich habe meine Gastfamilie echt gern. Sie kümmern sich total lieb um mich, mein Gastvater hat mich vor seinen Freunden sogar als seine Tochter vorgestellt. Und das war ein total schönes Gefühl, denn als "Tochter eines Vaters" wurde ich lange nicht mehr bezeichnet. Denn wie viele von euch wissen, ist mein Papa vor zwei Jahren gestorben. Und es hat mich so glücklich gemacht, wieder von einem "Papa" als "Tochter" bezeichnet zu werden. Ich empfinde eine tiefe Traurigkeit und es brennt in meinem Herzen, wenn ich daran denke, dass mein Papa das alles hier nicht miterleben kann. Wie ich meinen Blog schreibe über das, was ich erlebe, was ich lerne, wie man lernt, sich in seinem Körper und in seinem eigenen Ich zuhausezufühlen. Denn das hat mein Papa nicht gelernt.
Aber ich bin unendlich dankbar für all das, was ich hier lernen darf. Ich bin einfach dankbar. Auch wenn ich mich nicht immer Zuhause fühle; auch wenn ich andere Ansichten von bestimmten Dingen habe, aber sie einfach annehmen muss; auch wenn ich abends nicht einschlafen kann, weil ich mit meinen Gedanken Zuhause bin; auch wenn es mir schwerfällt Chinesisch zu lernen; auch wenn all das geschieht - ich bin dankbar! Ich erlebe hier soviele schöne Dinge. Es sind 10 Monate, in denen ich ICH bin, in denen ich mich entwickle, in denen meine Zeit ist, in denen ich Sachen erlebe, die ich so wahrscheinlich nie wieder erleben werde.
Und eine sehr gute Freundin hat mir gesagt:
"Die guten Zeiten fallen nicht vom Himmel - man muss sie sich selbst schaffen."
Also nutze ich die Zeit, die mir bleibt, die existiert. Hier in diesem Moment!

Mit diesen Worten verabschiede ich mich für heute.
Ich denke an euch.

Eure Anna