Donnerstag, 9. Oktober 2014

T - A - I - W - A - N

 Hallo ihr Lieben,

die Überschrift habe ich heute deshalb so gewählt, weil wirklich jeder Buchstabe, jeder Teil von Taiwan es wert ist, genannt und beachtet zu werden.
Mir geht es hier wirklich so gut, ich geniesse jeden Tag mit mir selbst, der Umwelt und meinen Mitmenschen.
Kein Tag ist wie der andere. Und selbst, wenn sich einfach nur das Frühstück vom vorherigen Tag unterscheidet - jeder Tag ist einzigartig!

Ihr könnt euch vielleicht erinnern, dass ich im letzten Beitrag geschrieben habe, dass wir am Sonntag Abend in der Tofu - Gasse waren.
Und den Tofu - Käsekuchen, den wir da gekauft haben, habe ich Montag zum Frühstück probiert:



Hier seht ihr ein anderes Frühstück: ein Sesambrot mit Krautfüllung - total lecker!


Welcher Tisch ist meiner? 
Ja, ich bin die Tische aus Deutschland echt gewöhnt. Hier kann ich den Luxus vom "sich-breitmachen" leider nicht geniessen, da muss ich mich wohl erst noch dran gewöhnen. Wenn was runter fällt, wissen mitlerweil, dass ich es bin.

Da meine Klassenkameraden am Dienstag und Mittwoch Examen geschrieben haben, haben ich und meine Gastmutter kleine Schokofußbälle gekauft, weil ich ihnen gerne "Glück wünschen" wollte. Die haben sich so gefreut, dass sie gleich eine Art "Klatsch-Lied" zum Dank aufgeführt haben. Das war echt lustig, aber auch irgendwie niedlich. Es ist echt immer lustig in meiner Klasse.
Im Unterricht arbeite ich jetzt immer an meiner Rede für Dezember. Denn da muss ich vor dem ganzen Rotarydistrikt eine Rede (von 6 Minuten) auf Chinesisch halten, warum ich Taiwan gewählt habe, was mir hier gefällt, meine Schule, meine Gastfamilie, was ich noch vorhabe u.s.w.
Es ist ganz schön anstrengend, weil ich auch manchmal ewig brauche, um bestimmte Vokabeln rauszusuchen oder den chinesischen Satz richtig zu bilden. Dass es eben nicht selten passiert, dass ich im Unterricht einschlafe. Aber das macht hier ständig jemand (unter den 40 Schülern), also merkt es kaum jemand, wenn ich einschlafe. Außerdem sitze ich dazu noch ganz hinten :)

Wie gesagt, haben meine Klassenkameraden Dienstag und Mittwoch Examen geschrieben, dass heißt, dass ich Dienstag nach dem Chinesischunterricht frei hatte.
Ich hatte für den Tag eigentlich noch keine großen Pläne, doch die Thailänderin hat gesagt, dass sie gerne mal mit dem u-Bike fahren will. Und außerdem wollte sie sich mal die deutsche Bäckerei anschauen (fragt mich nicht warum). 
u-Bike sind in Taiwan eine Art öffentliche Fahrräder, die man mit der Buskarte (eine Art Kreditkarte) vom Fahrradständer nehmen kann. Je nach Fahrzeit wird ein Geldbetrag von der Karte abgehoben und man kann das Fahrrad danach auch an jeder beliebigen u-Bike-Station wieder abstellen.
Weil die Bäckerei ja nicht weit von der Schule entfernt ist, haben wir uns also auf den Weg gemacht. Und es war echt ein reichtig lustiger Nachmittag:


Sie hat den traditionellen Streuselkuchen probiert (mit Blaubeeren) und war sehr begeistert :)


Schwarzwälder Kirschtorte wird hier mit "black forest cake" übersetzt - da musste ich echt schmunzeln :) 


Wir haben dann zufällig noch einen Esskastanien - Wagen gesehen. . .


 . . . und natürlich auch gleich welche gekauft :) 
In Thailand gibt es die übrigens auch. Und es passte auch zum Wetter (in Deutschland gibt es die ja meist nur zur kalten Jahreszeit) - denn obwohl auf dem Thermometer 24°C angezeigt werden, fühlt es sich durch die Luftfeuchte viel kälter an!


Ich und die Thailänderin

Ich mit dem supercoolen u-Bike!

Weil ich an diesem Tag schon am frühen Nachmittag Zuhause war, habe ich die Sonne ausgenutzt und bin gleich, nachdem ich nach Hause gekommen bin, in den Universitätspark rennen gegangen. Und für gewöhnlich liebe ich das Rennen, weil man da so schön abschalten kann. Man hat Zeit für sich selbst, man nimmt seinen Körper war, man ist einfach nur im Selbst. Und bei diesem Rennen ist mir etwas klar geworden. Ich meine, diese Erkenntnis würde auch schön zum letzten Eintrag von diesem Blog passen, aber an das Ende möchte ich jetzt echt noch nicht denken. Mir ist klar geworden, wie wertvoll das hier alles ist. Wenn ich aus Taiwan zurückkomme, habe ich mit 17 Jahren schon 10 Monate im Ausland gelebt (in einer asiatischen Metropole), ich habe eine der wichtigsten Sprachen der Welt gelernt - und zwar Chinesisch. Ich habe gelernt, mich nicht mehr von der Meinung anderer abhängig zu machen. Ich erlebe hier gute und schlechte Momente und aus beiden kann ich lernen. Ich begegne hier Menschen, die sich zwar alle untereinander unterscheiden, die aber doch eine Gruppe sind. Ich begegne Menschen aus einer anderen Nation, begegne auch Vorurteilen, Homosexualität und strengen Vorschriften, die man nicht brechen kann. Auch aus Deutschland bin ich vielen Dingen begegnet, wie Trauer, Suizid und Mobbing. Ich kann aus den "alten" Erfahrungen lernen und sie anwenden - und die neuen kommen hinzu.
Dafür bin ich so dankbar! 
Danke an all die Leute, die dazu beigetragen haben, dass ich das hier erleben kann. Danke Rotary für diesen Austausch. Aber besonders Danke an meine Familie, Freunde und besonders an meine Mama, die mich mein Leben lang gestützt hat, die ein Band aufgebaut hat, das niemals reißen wird!

Am Abend war ich wieder mit meiner Gastmama alleine Zuhause und wir haben zusammen Chinesisch geredet (zumindestens habe ich mein Bestes gegeben). Und am Ende sind wir von der Geschichte von Deutschland (und später auch von Taiwan) rausgekommen. Es ist echt cool, wenn man merkt, dass man immer mehr versteht.
Manchmal verstehe ich sogar in englischen Liedern irgendwelche chinesischen Wörter. Denn wenn der Sänger eigentlich "Oh, Joe" singt, dann denke ich automatisch an "Ou zhou", was genauso ausgesprochen wird und "Europa" bedeutet. Das ist echt manchmal komisch, dass das schon in meinem Kopf so drin ist.
Danach gabe es noch einen Avocado-Shake und dann bin ich totmüde ins Bett gefallen.

Avocado - Shake :)

Mittwoch mussten wir auch nicht in die Schule. Aber die Lehrer haben trotzdem ein bisschen was für uns organisiert. Und deshalb sind wir drei Austauschschüler mit drei Referendaren in einen konfuzianischen Tempel gefahren.


Das ist der Eingang


Die Vorderfront der "eigentlichen Tempels"


Thailand, Deutschland und Russland


Deutschland :)





Das sind eine Art Gräber - oder eigentlich sind es mehr Andenken an die Mönche, die hier vor vielen Jahren gelebt und unterrichtet haben. Heute ist der Tempel nur noch zum Anschauen gedacht.
Und jedes Jahr am 28. September findet hier auch eine traditionelle Feierlichkeit statt, am Geburtstag von Konfuzius. Leider habe ich sie verpasst, denn in Taipei wird die Tradition leider nicht ganz so zelebriert, wie z.B. im Süden, Westen und Osten von Taiwan, deshalb wusste ich auch garnicht, dass sie stattfindet.
Naja, vielleicht das nächste Fest.





Am Ende haben wir uns noch in einem 4D-Kino einen Film über den Kofuzianismus angeschaut. So konnte ich die Tradition um den Geburtstag von Konfuzius wenigstens in einem Film erleben. Das war dann auch okay.


Das Mittag hat auch die Schule bezahlt, wir sind zu einer Art Buffet gegangen. Sowas sehe ich hier in Taipei oft und man kann sich dann einfach das nehmen, was man möchte und am Ende wird nach Gewicht bezahlt. Hier habe ich Gemüse, Blattgemüse, Kürbis, Bohnen, Tofu (natürlich!), Pilze, Curry-Kartoffeln und ein traditionelles Brot aus Blätterteig und Sprossen.


Die drei Referendarinen



Und nach dem Mittag gab es noch einen grünen Tee mit Ananas - lecker!!!


Danach habe ich mich noch im größten Park Taipeis (Daan-Park) mit einer sehr guten Freundin aus Dresden getroffen, die für den Austausch auch in Taipei lebt. Es hat sich fast normal angefühlt, sich selbst irgendwo am anderen Ende der Welt zu treffen - ein altbekanntes gewohntes Gefühl, was aber sehr schön.

Und zwei weitere aus Deutschland und einmal Amerika waren auch dabei :)
Heute, am Donnerstag, hatten wir wieder Chinesischunterricht und wir haben unseren erstens Test geschrieben. Und ich bin megaglücklich, denn ich habe 97 Punkte auf meinen Test bekommen. Das Notensystem ist hier eher ein Punktesystem und das beste sind 100 Punkte - yeah! Aber eigentlich haben alle gut abgeschnitten, aber ich freue mich trotzdem!!!
Heute haben mich meine Klassenkameraden übrigens nach meiner Adresse. Als ich gefragt habe "Warum" meinten sie nur, dass sie mir viele Briefe schreiben wollen, wenn ich zurückgehe ("Hallo?! Ich bin doch noch 9 Monate hier! Wer redet denn jetzt schon von Heimfliegen?") Aber süß war es trotzdem.
Und heute war auch wieder Badminton dran und anschließend am Abend Yoga mit meiner Gastmama. Von daher bin ich jetzt echt müde und könnte auf der Stelle einschlafen. Aber für den Blog nehme ich mir natürlich die Zeit :)
Nächste Woche Sonntag, auf meinen Geburtstag ist auch eine Rotaryveranstaltung gefallen. Erst habe ich mich gefreut, weil im Veranstaltungsbogen "Biking-Trip" (Fahrradtour) angegeben war. Doch jetzt wurde es aus irgendeinem Grund zu "Paintball-Spielen" geändert.
Und ganz ehrlich, ich weiß nicht, wie ich das finden soll. Auf der einen Seite bin ich ein Familienmensch, erst recht an meinem Geburtstag. Und auf der anderen Seite weiß ich zwar, dass viele von euch Paintball mögen, doch ich finde es echt nicht so toll.
Für die, die nicht wissen, was Paintball ist:
Man bekommt einen Helm und Schutzkleidung und eine Waffe, aus der Farbe rausgespritzt kommt, wenn man schießt. Und man muss eben auf die anderen schießen und wird demzufolge auch selbst "abgeschossen". Ich kann solche Sachen mit Waffen überhaupt nicht leiden, auch wenn es nur Farbpatronen sind und "nur aus Spaß".
Ich bin dafür nicht gemacht und bin auch der ehrlichen Meinung, dann man sowas nicht zu Spaß machen sollte.
"Schießen" ist "schießen". Da ändert auch das "aus Spaß" nichts dran. Und "Schießen auf andere Menschen" erst recht nicht. 
Mal sehen, wie es wird, man soll ja im Voraus nie urteilen und es ist ja noch eine Woche Zeit. Vieleicht, vielleicht, vielleicht ändere ich meine Meinung, aber ob es dazu kommt, bin ich mir noch sehr unschlüssig.
Das ist aber auch das Einzigste, was ich diese Woche als schlecht empfunden habe / empfinde. Sonst ist alles super und ich fühle mich sehr gut.
Morgen ist Nationalfeiertag, das heißt morgen ist wieder keine Schule.
Und meine Gasteltern fahren mit mir in den Süden Taiwans. 
Doch dazu werdet ihr am Sonntag wieder mehr lesen :)
Fühlt euch umarmt,
eure Anna
 








Sonntag, 5. Oktober 2014

Wer gerade Heißhunger hat: nicht anschauen.

Hallo ihr Lieben,

ja die Überschrift passt sehr gut.
Denn am Wochenende habe ich viele traditionell, kulinarische Köstlichkeiten kennengelernt.

Am Samstagmorgen bin ich wieder in dem Universitätsgarten rennen gewesen und habe die letzten Sonnenstrahlen genossen, bevor die Regenmonate anfangen.
Danach ist meine Gastmama mit mir mit dem Bus in die "Innenstadt" von meinem Stadtteil gefahren, um einen traditionellen Markt zu besuchen. Denn ich hatte mir ja vorgenommen dieses Wochenende für meine Gastfamilie zu kochen und deshalb brauchte ich noch Zutaten.
Als erstes ging es in einen einfachen Supermarkt. Owohl man "einfach" in diesem Sinne genauer definieren müsste, denn es gibt sehr viele andere Sachen, als in einem deutschen Supermarkt.
Zum Beispiel Nudeln, die aus grünen Bohnen gemacht sind:






Habe wir heute (Sonntag) gegessen. Sie schmecken sehr mild und sie werden durchsichtig, wenn man sie kocht und bekommen eine glitschige Konsistenz, aber ansonsten sehr lecker!

Danach ging es weiter auf den traditionellen Markt. Überall haben Leute gerufen und Werbung für ihre Ware gemacht, es gab tausend verschiedene Gerüche und man konnte wirklich fast alles kaufen.
Von Kleidung über Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse bis hin zu traditionellen Gerichten und noch vieles mehr. 


Traditioneller Lebensmittelladen


Ja, das sind alles Säcke voller Reis - wie ich schon geschrieben hatte, gibt es hier mindestens einmal am Tag Reis zu essen.


Alles Tofu, oder was?


Zum letzten Bild muss ich ein bisschen mehr schreiben. Es handelt sich hier um eine Fisch - und Fleischhalle.
Wer an den Beinen (oder Hufen) der Schweine interessiert ist, kann sie hier frisch bekommen. Auch Hühnerkrallen sind sehr beliebt oder alles, was man sich an Körperteilen noch vorstellen kann. Für mich wohl eher ein Leichenhaus. . .
Wer Fisch möchte, kann diesen auch frisch bekommen. Er wird aus dem Becken gezogen und dann frisch "fertig gemacht". Wenn die Boxen leer waren, wurde aus dem Becken nachgefüllt. Es waren teilweise richtig große Fische und sie haben noch ihren Mund bewegt.
Es war echt nicht so toll.
Dennoch kann ich sagen, dass Taiwan nicht so fleischbesessen auf bestimmte Teile ist, wie zum Beispiel nur Muskelfleisch oder nur Schenkel oder irgendwas anderes. Hier wird alles gegessen: Füße, Krallen, Hirn, Blut, alles. Wenigstens wird es nicht weggeworfen und es ist frisch. Irgendwie probiere ich es mir positiv zu reden. . .

Danach konnte ich mich von dem Erlebnis ein bisschen in einem Obstgeschäft erfreuen. So viele Früchte, die ich noch nie gesehen habe! Und meine Gastmama hat gleich ein paar mitgenommen.
 


Wie zum Beispiel diese Frucht. Hier seht ihr sie geöffnet. Leider weiß ich nicht mehr den Namen der Frucht, aber sie ist sehr kompliziert zu essen. Diese weißen Teile muss man rausziehen. Innendrin ist ein schwarzer Kern und das Grüne kann man auch nicht mitessen. Schmeckt aber süß und superlecker!


Aber wir haben auch noch viele andere traditionelle Dinge gekauft:
das sind süße Brottaschen. Sie sind sehr gesund, denn innendrin sind Goji-Beeren, schwarzer Sesam, getrocknete Früchte und Nüsse. Es wird mithilfe von Wasserdampf erwärmt und traditionell zum Frühstück gegessen.


Das sind . . . keine Ahnung. Auf jeden Fall besteht der äußere Teig aus Reis (was sonst) und sie sind mit diversen Dingen gefüllt, wie zum Beispiel gemahlenen Erdnüssen, schwarzem Sesam und roten Bohnen. Hatte zwar eine komische Konsistenz, war aber auch sehr lecker!


Das sind Bonbons. Meine Gastmama hat mir erzählt, dass sie diese gerne gegessen hat, als sie ein Kind war. Innendrin ist eine Masse bestehens aus Erdnüssen und außen eine Art Zuckerkruste.




Zum Mittag gab es mit Gemüse gefüllte Teigtaschen. Meine Gastmama zeigt mir bald, wie man sie herstellt. Da wird sich mein Kochbuch doch gut füllen :)
Diese haben wir aber vom Markt mitgebracht.

Gegen 16:00 Uhr habe ich dann angefangen für das Abendbrot zu kochen, denn ich hatte keine Ahnung, wie lange ich brauchen würde.


VORHER - Na, was könnte da wohl rauskommen???


NACHHER - Kartoffelsuppe und Pflaumenknödel!

Meine Gastfamilie war richtig begeistert von der Kartoffelsuppe. Allerdings mögen viele Taiwaner keinen Zimt, deshalb fanden sie die Pflaumenknödel nicht 100% gut, aber es hat ihnen trotzdem geschmeckt. Außer meine Gastmama, denn sie leibt Zimt, so wie ich, deshalb fand sie alles ganz toll.
An diesem Abend war ich richtig glücklich und stolz, dass ich das so gut hinbekommen hatte. 
Denn ich liebe es zwar zu kochen, doch ich habe noch nie Kartoffelsuppe oder Pflaumenknödel gemacht, aber ich wollte ja doch etwas Traditionelles kochen.
Und das ist eben rausgekommen.

Heute war ebensfalls ein schöner Tag. Heute früh bin ich wieder rennen gegangen und habe meine Bestzeit von einer Stunde durchlaufen geschafft. Eine Stunde! Paul, du kannst stolz auf mich sein :)
Hier eine kleine Impression meines heutigen Frühstücks:


Zwei Maracujas, eine warme, süße Brottasche und Sojamilch - njam, njam!!!

Der Vormittag ist sehr ruhig verlaufen, ich habe mich um meine Wäsche gekümmert, mein Zimmer geputzt, Chinesischaufgaben gemacht und Mittagsschlaf gemacht. Zum Mittag haben wir mit der Familie meiner Gastmama gegessen, die drei Stockwerke unter uns wohnt und es gab die Nudeln aus den grünen Bohnen. Hab aber leider vergessen ein Foto zu machen.

Nach dem Mittag bin ich mit ein paar anderen Austauschschülern (die, die in und um Sanxia wohnen und die ich auch zufällig zum Mondfestival getroffen hatte) ins Kino gegangen. Dass wir uns getroffen haben, war sehr zufällig, denn meine Gastmama wurde kurzerhand von der Gastmama des anderen deutschen Austauschschülers angerufen und hat ihr erzählt, dass sie gerade im Nebengebäude sind und fragen wollten, ob ich Lust hätte doch mit rüberzukommen. Klar hatte ich das. Die spontansten Erlebnisse sind doch oft die Schönsten.

Für heute Abend hatte ich meine Gastfamilie gefragt, ob wir zusammen zu der "Tofu-Gasse" fahren wollen, von welcher ich ja schon Mal in einem anderen Blogeintrag erzählt hatte. Und meine Gastschwester war ganz begeistert von der Idee, also ging es nach dem Kino gleich weiter nach Shenken (so heißt der Ort):


Das ist zwar nichts, was aus Tofu besteht, aber auch sehr lecker. Es sieht aus wie Pfannkuchen (oder Plinsen oder Crepes oder Eierkuchen oder wie auch immer), ist aber als "Brauner-Zucker-Kuchen" bezeichnet und besteht, wie der Name schon sagt aus braunem Zucker und Reis. Hier besteht, deshalb soviel aus Reis, wie sie davon ertens echt viel haben und zweitens, weil es einfach so viele Sorten gibt, dass man alles damit machen kann.
Haben wir auch in der "Tofu-Gasse" gekauft.


Zum Abens gab es den traditionellen "Stinky Tofu" und Gemüse vom Bambus (schmeckt wie Artischocken).
Der Tofu wird mit einer bestimmten Bakterie versehen, so wie wenn man auch Käse zum reifen bringen möchte. Deshalb bekommt er diesen bestimmten Geruch, der aber nicht jedermanns Sache ist. Ich mag ihn aber sehr gern.


Weiter ging es zum Tofu-Eis-Stand und ich habe wieder Matcha - Tofu genommen. Himmlisch!!!


Wir haben diesmal auch Tofu - Käsekuchen gekauft. Die Verkäuferin hat gesagt, dass er sehr gesund ist, weil dieser Kuchen keinerlei Zusatzstoffe und nicht mal Indusriezucker enthält. Mal sehen, wie er schmeckt, wir werden ihn morgen probieren.


Das ist etwas ,wo ich den Namen wieder vergessen habe. Aber es ist eine Art fester Tofu - Vanille - Pudding gefüllt mit einer Erdnusscreme eingehüllt in ein kleines Palmenblatt. Man kann es eigentlich nicht als Pudding bezeichnen, ich weiß es nur nicht anders zu umschreiben.


Ich habe es sogar kostenlos bekommen, weil die Verkäuferin von meinem Interesse so begeistert war. Und wenn ich das nächste Mal wieder komme, bekomme ich etwas anderes umsonst, hat sie gesagt :)


So sieht es geöffnet aus


Und hier nochmal ein Bild vom Beginn der Gasse. Ich liebe die Architektur und auch die kleinen Läden, die sich zwischen den Tofu - Shops befinden. Es sind kleine Stöberlädchen, in denen man viele traditionelle Dinge und Souveniers und Seife und Bambuskämme und elegante Essstäbchen und vieles weitere kaufen kann. Es ist einer meiner Lieblingsorte geworden. Die Architektur ist ein bisschen so, wie die "Winkelgasse" aus "Harry Potter" - nur eben nicht ganz so englisch, sondern mehr im japanischen Stil. Denn vor vielen Jahren war Taiwan in manchen Regionen von Japan besetzt und die Architektur erinnert eben noch daran

Dieses Wochenende war wirklich sehr schön, aber auch entspannend.
Nächste Woche schreibt meine Schule Examen, deshalb muss ich am Dienstag nur bis Mittag in die Schule (ich habe ja auch noch Chinesischunterricht) und am Mittwoch besuchen wir mit der Thailänderin und dem Russen aus meiner Schule einen sehr bekannten Tempel. Und Freitag ist Feiertag.
Also mal sehen, wie die nächste Woche wird.

Heute war mein Gastpapa außerdem noch auf einem Eltern-Meeting, wo sich alle Gasteltern der Austauschschüler getroffen haben.
Ihnen wurde gesagt, dass sie mehr mit uns in Chinesisch kommunizieren sollen. Das habe ich heute Abend schon ganz schön gespürt, aber ich komme klar.
Außerdem hat mir mein Gastpapa erzählt, dass meine Gastfamilie und mein Betreuer sehr zufrieden mit mir sind und das macht mich echt froh. Ich fühle mich auch sehr wohl!

Jetzt ist es schon etwas spät geworden und ich bin müde.
Deshalb wünsche ich eine Gute Nacht!

Fühlt euch umarmt,
eure Anna


 

Freitag, 3. Oktober 2014

Hier bin ich - und hier darf ich sein.

Hallo ihr Lieben,

zuerst möchte ich denen, die es noch nicht wissen, mitteilen, dass ich jetzt über "whats app" und "LINE" nicht mehr erreichbar bin. Also kann ich darüber auch keine Bilder oder Kurznachrichten mehr empfangen. Nur noch über Facebook und Email mit dem Laptop, weil mein Telefon aus Deutschland urplötzlich den Geist aufgegeben hat.
Aber es klappt auch so - ich habe für die Verständigung in Taiwan ein altes Handy meiner Gastschwester bekommen.
Und in Deutschland hatte ich ja auch kein Smartphone - also komme ich klar.

Diese Woche war sehr schön für mich.
Aber alles der Reihe nach.

Wie gesagt, am Montag ist mein Handy kaputt gegangen. Aber ich habe ja eine gute Lösung gefunden.

Diese Woche hatte ich am Mittwoch wieder Zeichensprache. Und wie ich euch erzählt hatte, wollte ich das Lied vom letzten Mal übersetzen. Mithilfe von Google habe ich es dann doch irgendwann geschafft, das Lied in eine Sprache zu bringen, die ich auch kann.
Das Lied kann ich jetzt auf Chinesisch mitsingen, doch mit der Körpersprache hinterherzukommen ist noch etwas schwierig, aber das wird schon.
Manchmal spielen wir auch einfach nur Spiele und das ist dann sehr entspannend für meinen Kopf, aber auch sehr lustig, weil ich die Spielregeln manchmal falsch deute und dann wird es noch lustiger.
Die Leute in meinem Club von der Zeichensprache sind sehr nett! Ich fühle mich richtig wohl in meiner Schule, aber dazu später noch mehr.
Nachmittags war ich mal wieder mit der Thailänderin und einem Mitschüler, dem Halb-Pakistani - Halb-Taiwaner, unterwegs.
Diesmal sind wir zum Taipei - Hauptbahnhof gefahren, denn dort gibt es eine unterirdische Shoppingstraße. Und zum zweiten Male eröffneten sich mir viele bunte Geschäfte und Krims-Krams-Läden, aber auch viele andere Shops.
Es ist die längste unterirdische Einkaufsstraße in Taipei (und die einzigste?). Auf jeden Fall ist sie sehr lang und irgendwann taten mir die Beine weh vom ewigen Laufen.
Hier seht ihr ein paar spezielle Fotos:




Dieses Bild ist für meinen großen Bruder - ein Yu-Gi-Oh - Shop :)


MANGOSAFT!!! Ich liebe es! Gefrorene Mango püriert, schmeckt himmlisch!!!


Wir haben einen thailändischen Shop entdeckt, was die Thailänderin natürlich sehr gefreut hat.
Und ich habe Kokossahne entdeckt. Schlagsahne aus Kokos! Finde ich super!


Tja, was soll ich dazu sagen - ein gut besuchter Waffenshop. Ab und zu entdeckt man doch ungewöhnliche Sachen. . .

Am Donnerstagmorgen habe ich verschlafen. Das erste Mal in Taiwan. Und ich hatte 15 Minuten bis ich aus dem Haus gehen musste. 
Aber ich bin überraschend gut zurechtgekommen, denn weil man in Taiwan durch die Hitze immer abends duscht, weil man hier nicht "dreckig" ins Bett geht, braucht man früh nicht mehr viel machen.
Abends hat meine Gastmama Reiskuchen gemacht. ICH LIEBE REISKUCHEN! Wenn es im "Rohzustand" ist, ist es ein wabbeliger Klotz aus einer Mischung von Reis und weißen Karotten. Man muss ihn anbraten und dann schmeckt er wunderbar!

Das ist der Reiskuchen, nachdem er gebraten wurde.

Ich habe mir übrigens ein Heft gekauft, indem ich alle Rezepte sammle, die treditionell, vegan und einfach nachzumachen sind. Vielleicht landet das Rezept für Reiskuchen auch bald darin? Ich hoffe es!


Das bedeutet "Taiwanische Küche"

Wer am Essen in Taiwan interessiert ist, kann schon mal mein erstes Vorwort lesen. Ich schreibe am Ende des Jahres nochmal ein Vorwort, nur um zu sehen, wie es am Anfang des Jahres war und was ich über die zehn Monate noch alles kennengelernt habe. Vielleicht werde ich ja eine berühmte Kochbuchautorin :)

Donnerstag hatte ich seit zwei Wochen auch endlich wieder Yoga, denn weil das andere gestrichen wurde, weil zu wenig Leute da waren, hat meine Gastmama ein neues Studio rausgesucht. 
Und es hat wieder viel Spaß gemacht und ich habe mich nicht nur einmal gefragt, wo mein Fuß so plötzlich herkommt.
Aber das schöne ist, dass man so ein ganz besonderes Körpergefühl bekommt. Man wird selbstbewusster und nimmt seinen Körper mehr war.
Denn wenn dein linker Fuß aufeinmal neben deiner rechten Hand steht, obwohl du vorher nicht gedacht hättest, dass du dazu im Stande bist, merkst du: "Okay, ich habe breite, große Füße, aber sie befinden sich gerade irgendwie neben meinen Händen. Es ist mein Fuß und das ist so und er gehört zu mir. Hallo großer linker Fuß!"
Ich freue mich schon darauf, was ich das nächste Mal erleben kann.

Heute bin ich wieder in eine deutsche Bäckerei gegangen, da ich Brot kaufen wollte, weil ich nämlich morgen für meine Gastfamilie kochen werde. Und dazu brauche ich deutsches Brot. Was ich mache, werdet ihr am Wochenende im Wochenends-Eintrag erfahren.
Mit dabei waren die Mädchen aus der Schweiz und aus Dänemark, denn sie haben auch deutsches Brot vermisst, deshalb sind wir gleich zusammen gegangen. Danach ging es noch ins "Loving Hut", das vegetarische Restaurant, was ich ja schon kannte. Es lag zufälligerweise direkt eine Straße weiter neben der Bäckerei.


Verwackeltes Handybild - aber wir sind glücklich :)


Könnt ihr das Wort "Sauerkraut" lesen?


Im vegetarischen Restaurant haben wir uns Curry-Kokos-Kürbis-Reis. . .


Hummus (Kichererbesenpaste) - Wraps . . .


. . . und eine sehr scharfe Suppe geteilt.


Zum Nachtisch gab es grünen Tee mit Soja-Haselnuss-Milch. Superlecker!!!

 ________________


Nein, das ist keine Kacka. Das ist Tamarinde. Innen ist eine Art getrocknete Frucht, die süß-sauer schmeckt. Ich mag es und es soll wohl sehr gesund sein, weil es viel Eisen enthält.
Hat mir die Thailänderin geschenkt. Sie sagte, dass sie davon in Thailand zu genüge haben.
Tja, andere Kultur, andere Speisen.


Und hier sehr ihr getrocknete Lichee - hat meine Klassenlehrerin ausgeteilt, weil sie bei ihr im Garten wachsen.

Wie ich schon gesagt habe, war diese Woche wieder sehr schön für mich.
In letzter Zeit ist es wirklich so, dass ich jeden Tag mit einem Lächeln aufwache und mich auf den neuen Tag freue. Ich freue mich auf die Schule und auf meine Klassenkameraden. Ja, in meiner Klasse fühle ich mich wirklich sehr wohl. 
In Deutschland bin ich nie gerne zur Schule gegangen. Ich habe mich immer so gezwungen gefühlt, war nie richtig dabei und habe die Stunden gezählt bis ich nach Hause kann.
Doch hier merke ich garnicht, dass ich sogar bis 16:00 Uhr in der Schule sitze. Und danach rede ich oft noch mit meinen Klassenkameraden. Heute haben sie gesagt, dass mein Chinesisch jeden Tag besser wird. Das war ein schöner Glücksmoment.
Und kann man sich vorstellen: 
In meiner Klasse sind knapp über 40 Schüler, fast doppelt so viele wie in Deutschland. Und ich habe hier nicht einmal Gruppenbildung gesehen oder dass der eine über den anderen lästert oder das irgendjemand ausgeschlossen wird. Und es sind wiegesagt doppelt so viele Leute in der Klasse, als das in Deutschland der Fall ist.
Hier versteht sich jeder mit jedem, jeder hat zwar einen bestimmten Freund, mit dem er sich beonders gut versteht, doch ansonsten sind alle zusammen in meiner Klasse. Zum Mittag schieben wir oft mehrere Tische und Stühle zusammen um gemeinsam zu essen, das ist so ein wunderbares Gefühl von Gemeinschaft.



Jeden Dienstag spielen ich und einige meiner Klassenkameraden (und manchmal auch die Thailänderin) zusammen Badminton.
Auf diesem Foto trage ich das "Taiwan - Shirt", das mir meine zweite Gastmama geschenkt hat. Ich liebe das Shirt!

Diese Woche habe ich auch wieder etwas neues über mich gelernt.
Wie viele von euch wissen, bin ich sehr tiefgründig. Ich nehme alles sehr wichtig und denke über viele Dinge sehr lange nach, weil ich sie ganz genau ergründen will.
In Taiwan sind die Jugendlichen in meinem Alter aber oft etwas jünger in ihrem Denken (und manchmal auch in ihrem Aussehen). Natürlich gibt es auch die, die auch schon sehr reif in ihrem Handeln sind, aber es gibt auch die anderen.
Am Anfang dachte ich, dass es schwer für mich wird, damit zurechtzukommen. Doch jetzt merke ich, dass ich es auch mal gut finde, diese Tiefgründigkeit beiseitezulegen und über simple Dinge zu lachen und zu reden. Einfach lustig zu sein und Faxen zu machen. 
Ich war all die Jahre immer sehr ernst und habe über das Leben nachgedacht, einfach weil ich es liebe, alle geschehene Dinge in meinem Leben zu erforschen.
Doch ich merke, dass ich diese Tiefgründigkeit auch mal zur Seite legen kann. Und wenn ich sie wieder brauche, dann benutze ich sie und führe lange ausführliche Gespräche, so wie ich es gerne habe. Sie gehört einfach zu mir - und das ist gut so.
Außerdem hatte ich heute eine weitere Erkenntnis. Sie kam mir, als ich mir Urlaubsfotos einer Freundin in meiner Klasse anschaute. Ich habe keine Ahnung, wieso es ausgerechnet in diesem Moment kam, doch es kam und das konnte ich nicht beeinflussen.
Es war so etwas ganz normales, dieses "Urlaubsbilder anschauen". Es hat sich so alltäglich angefühlt.
Und da habe ich gemerkt:
Meine Zeit ist jetzt. Die Zeit in Taiwan, ich bin hier! Ich bin hier mit Kopf, Verstand, Körper, Herz und Seele - mein ganzes Ich!
Ich möchte die Zeit nutzen. Ich möchte lachen und leben und erleben in dieser großen neuen Welt.
Und ich spüre jetzt schon, wie Taiwan für mich jeden Tag mehr zu einem Stück Heimat wird. Und mit jedem Stück Heimat, das ich in Taiwan finde, finde ich auch ein Stück Heimat in mir selbst. In mir selbst ist das Zuhause. In mir selbst ist all mein Ich. In mir selbst sind all meine Gedanken und Gefühle, die ich nun durch mein Auftreten hinaus in die Welt trage.
Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte hinter sich. In jedem Menschen schlummert ein Traum.
Also lebe ich meinen Traum und schreibe Geschichte!
Ich bin wirklich so dankbar! 
Und in mir drin wächst eine umheimliche Kraft und es macht mich so stolz und glücklich, das es meine Kraft ist, die in mir wächst und die ich selbst zum Wachsen gebracht habe!
Alles, was im Leben passiert hat einen Sinn, lass es noch so schlimm sein, lass es dich noch so sehr zum Weinen bringen. Am Ende ist man immer klüger. 
Und man lernt und man lernt und man lernt und man lernt - und das ist so wertvoll. 
Und du wirst es niemals mehr verlieren.

Es war eine lange, aber schöne Woche.

Nun bin ich wirklich müde.

Fühlt euch umarmt von
Anna